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Nintendo Game Boy
Geschichte & Kontext
Als Nintendo 1989 den Game Boy vorstellte, ahnte kaum jemand, dass eine Taschenkonsole mit grünlichem monochromem Display ihre technisch fortschrittlicheren Rivalen um Jahre überleben würde. Das Gerät wurde von Gunpei Yokoi nach seiner berühmten Philosophie des „lateralen Denkens mit ausgereifter Technologie" entworfen — statt der neuesten und teuersten Bauteile setzte er auf billige, bewährte und zuverlässige. Das Ergebnis war paradoxerweise perfekt: zusammen mit dem späteren Game Boy Color wurden über 118 Millionen Stück verkauft, womit der Game Boy zum erfolgreichsten Handheld seiner Ära wurde.
Das Geheimnis des Erfolgs war dreifach. Die Batterielaufzeit — der Game Boy lief mit vier AA-Zellen bequem fünfzehn Stunden oder mehr, während die farbige Konkurrenz in Form von Atari Lynx oder Sega Game Gear sie in wenigen Stunden verschlang. Der niedrige Preis. Und vor allem die Software: das mitgelieferte Tetris war so süchtig machend, dass es die Konsole von allein verkaufte, und ein paar Jahre später kam Pokémon, das dem Game Boy zu einer Zeit ein zweites Leben einhauchte, als er technisch längst veraltet war.

Das Herz des Game Boy ist der 8-Bit-Prozessor Sharp LR35902, ein Hybrid zwischen dem Intel 8080 und dem Zilog Z80, getaktet mit etwa 4,19 MHz. Das Display zeigt eine Auflösung von 160 × 144 Punkten und nur vier Schattierungen — zwar spricht man von „Grau", in Wirklichkeit handelte es sich um verschiedene Grünstufen, bedingt durch den verwendeten LCD-Typ. Das Originalmodell hatte keinerlei Hintergrundbeleuchtung, sodass man zum Spielen anständiges Umgebungslicht brauchte (oder die berühmte Aufsteck-Lampe).
Die Grafikhardware bewältigte Hardware-Sprites (bis zu 40 gleichzeitig, max. 10 pro Zeile) und flüssiges Scrolling des Hintergrunds, was den Game Boy zu einer soliden Plattform für Jump-'n'-Runs und Actionspiele machte. Auf der Klangseite bot er vier Kanäle: zwei Pulskanäle (Rechteckwelle) mit Frequenz-Sweep, einen Wellenkanal mit programmierbarer Tabelle und einen Rauschkanal für Schlagzeug und Effekte. Gerade dieses bescheidene Klangset ließ den unverwechselbaren Chiptune-Sound entstehen, der heute in der modernen elektronischen Musik ein Eigenleben führt.

An der Seite der Konsole finden Sie das Link-Kabel — die Verbindung zweier Game Boys über den seriellen Port. Das ermöglichte nicht nur Multiplayer (die legendären Tetris-Duelle), sondern auch den Tausch von Pokémon, ohne den sich die Sammlung nicht vervollständigen ließ. Es gab auch einen Vierspieler-Adapter für ausgewählte Titel.
Zu den Peripheriegeräten gehörten die Game Boy Camera (eine der ersten erschwinglichen Digitalkameras für Verbraucher) und der Game Boy Printer für Thermopapier. Es fehlten auch nicht Rumble und Neigungssensoren, die direkt in einige Module eingebaut waren (z. B. Kirby Tilt 'n' Tumble). Das Speichern der Spielstände löste eine Batterie direkt im Spielmodul, die den SRAM-Speicher versorgte — deshalb verschwinden bei alten Modulen heute die Spielstände, sobald die Knopfzelle stirbt.

Der originale DMG-01 von 1989 war klobig und groß. 1996 kam der deutlich kleinere und leichtere Game Boy Pocket mit einem schärferen Schwarz-Weiß-Display (und einer Knopfzelle statt der vier AA-Zellen). Kurz darauf folgte das Game Boy Light — nur für den japanischen Markt, mit hintergrundbeleuchtetem Display.
Das bahnbrechende Modell war der Game Boy Color (1998): er behielt die Abwärtskompatibilität mit alten Spielen, fügte aber ein Farbdisplay und einen schnelleren Prozessor hinzu. Die Linie vollendete der Game Boy Advance (2001) mit einem 32-Bit-Kern, der ebenfalls die originalen GB- und GBC-Titel abspielen konnte — die Ära der Acht-Bit-Handheld-Konsole ging so nahtlos in eine neue Generation über.
Klone und Varianten
Der Game Boy wurde nicht so massenhaft geklont wie das NES, aber inoffizielle Kopien existierten — in Asien kursierten die verschiedensten Nachahmungen sowie raubkopierte Multicart-Module mit Hunderten von Spielen auf einem einzigen Chip. Im Ostblock und in China tauchten billige „Pocket Game"-Handhelds auf, die Form und Bedienung des Game Boy nachahmten, obwohl sie im Inneren auf völlig anderer (und schwächerer) Hardware liefen.
Für tschechische und slowakische Spieler ist es fair hinzuzufügen, dass der legale Weg zu Nintendo vor 1989 praktisch verschlossen war — weshalb sich bei uns mehr als der Game Boy die Klone von Heimcomputern verbreiteten (der Didaktik als tschechoslowakischer Verwandter des ZX Spectrum) und später Famiclone vom Typ Pegasus beim Acht-Bit-NES. Der Game Boy gelangte hauptsächlich durch Import erst in den 1990er Jahren zu uns.
Die heutige Szene
Die Emulation des Game Boy ist heute trivial — sie läuft praktisch auf allem, vom Handy bis zu billigen Retro-Handhelds. Zu den Spitzen-Emulatoren gehören mGBA und SameBoy, der auch das charakteristische Bewegungs-„Verwischen" des originalen LCD getreu nachahmt.
Die Homebrew-Community ist überraschend lebendig. Es entstehen technisch fortgeschrittene Neuheiten wie das flotte Tobu Tobu Girl oder der atmosphärische Horror Deadeus, die Erschaffung von Chiptune-Musik blüht (die Software LSDj) und dank des Werkzeugs GB Studio kann heute auch ein Mensch ohne Programmierkenntnisse sein eigenes Spiel für den Game Boy zusammenstellen. Manche dieser Neuheiten messen sich dabei kühn mit den Klassikern der damaligen Zeit.
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