Nemesis
Nemesis erschien 1990 für den Game Boy als einer der ersten Titel, der Konamis legendäre Weltraum-Shooter-Reihe – aus Spielhallen und Heimkonsolen unter den Namen Gradius und Nemesis bekannt – auf Nintendos neuen Handheld brachte. Der Spieler steuert den Jäger Vic Viper, fliegt durch horizontal scrollende Levels voller außerirdischer Festungen, organischer Hindernisse und Gegnerwellen und sammelt Kapseln, die schrittweise Geschwindigkeit, Raketenwaffen, den Laser und das schützende Force Field aufwerten – ein Upgrade-System, das gerade durch diese Reihe zur Ikone wurde. Das Freischalten der einzelnen Verbesserungen erforderte zudem ein durchdachtes Risikomanagement, da gesammelte Kapseln von Hand im richtigen Moment aktiviert werden mussten – eines der bestimmenden Merkmale der ganzen Reihe, das sie von einfacheren Zeitgenossen abhob.
Die Umsetzung auf den Game Boy brachte spürbare technische Kompromisse mit sich: Der kleine monochrome Bildschirm, die begrenzte Auflösung und die fehlende farbliche Unterscheidung der Gegner verlangten dem Spieler mehr Konzentration ab, dennoch gelang es den Entwicklern, das grundlegende Spielgefühl und den für die Reihe typischen Schwierigkeitsgrad zu bewahren. Die Musik behielt trotz der Reduktion auf den Chipsound des Handhelds das energiegeladene Tempo der ursprünglichen Stücke, und die Atmosphäre eines Weltraumkonflikts ließ sich trotz der Hardwarebeschränkungen einfangen. Die Bildrate blieb selbst in dichteren Passagen überraschend stabil, was bei der Umsetzung eines so actionreichen Titels auf die damalige Hardware eine geschätzte Eigenschaft war und es den Spielern erlaubte, sich auf präzise getimte Ausweichmanöver zu verlassen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde Nemesis als solider, wenn auch nicht bahnbrechender Beitrag zum dünnen Angebot an Shootern für den Game Boy wahrgenommen. Heute wirkt es wie eine interessante archäologische Station für Fans und Sammler der Reihe – es zeigt, wie anspruchsvoll es in den frühen Neunzigerjahren war, schnelle Arcade-Action an die Beschränkungen einer tragbaren Konsole anzupassen, und bleibt eine spielbare Erinnerung an die Anfänge des Genres auf Handhelds. Für Sammler stellt es zudem eine interessante Ergänzung zur späteren Fortsetzung Gradius: The Interstellar Assault dar, da es zeigt, wie sich das Konzept der Reihe auf dem Game Boy in kurzem Abstand weiterentwickelte.
Spiel 114 von 147 für Nintendo Game Boy