Chase H.Q.
Chase H.Q. übertrug das Konzept von Taitos berühmtem Arcade-Spiel auf den Game Boy, bei dem der Spieler nicht am Steuer eines gewöhnlichen Rennwagens sitzt, sondern ein Polizist in einem zivilen Sportwagen ist, dessen Aufgabe es ist, flüchtende Kriminelle einzuholen und zu stoppen. Nach jeder Funkmeldung der Zentrale nimmt der Spieler die Verfolgung eines bestimmten Verdächtigenfahrzeugs auf und muss es innerhalb des Zeitlimits einholen, um es dann durch wiederholtes Rammen so stark zu beschädigen, dass es anhält, bevor die Zeit abläuft oder das flüchtende Fahrzeug im Verkehr verschwindet. Jede weitere Mission erhöht dabei die Anforderungen an Geschwindigkeit und Präzision, sodass der Spieler seinen Fahrstil schrittweise verbessern muss.
Die Spielschleife ist einfach, entwickelt aber dank der Kombination aus schneller Fahrt und aggressivem Rammen einen eigenen Rhythmus – es geht nicht nur darum, als Erster anzukommen, sondern strategisch die richtigen Momente für einen Zusammenstoß zu wählen, ohne das eigene Fahrzeug zu sehr zu beschädigen. Die Game-Boy-Fassung musste wegen der Leistung des Handhelds sowohl das Geschwindigkeitsgefühl als auch die grafische Darstellung der Straße vereinfachen, dennoch gelang es den Entwicklern, die Übersichtlichkeit des Verkehrs und die Spannung der Verfolgungsjagd zu bewahren. Die Klangkulisse ist sparsam, doch die Effekte der heulenden Sirene und der Zusammenstöße verleihen dem Spiel eine Energie, die das kleine Display allein nicht bieten kann, und halten den Spieler zusammen mit der Schadensanzeige des Fahrzeugs in ständiger Spannung, ob er den verfolgten Kriminellen rechtzeitig einholt.
Zur Zeit der Veröffentlichung war es einer von vielen Arcade-Ports, die auf dem Game Boy beweisen sollten, dass auch einfachere Actionkonzepte unterwegs ihren Platz finden. Chase H.Q. gehörte nie zu den Titeln, die das Genre grundlegend voranbrachten, bot aber einen anderen Blickwinkel aufs Rennspiel – statt einer Jagd gegen die Uhr geht es um eine Jagd auf einen Gegner, was das Spiel von den meisten anderen Rennspielen auf derselben Plattform unterschied. Heute ist es vor allem interessant als Beispiel dafür, wie sich ein Arcade-Klassiker an die Grenzen tragbarer Hardware anpasste und wie gut eine einfache, verständliche Spielidee auch ohne große technische Möglichkeiten funktioniert.
Spiel 105 von 147 für Nintendo Game Boy