Final Fantasy Adventure
Ein Spiel, dessen Name ein wenig eine Lüge ist — und dabei eine der wichtigsten Verwechslungen in der Geschichte japanischer RPGs. Final Fantasy Adventure von 1991 ist trotz seines Namens überhaupt kein Final Fantasy. Es ist der erste Teil der Reihe, die später als Mana bekannt werden sollte (in Japan Seiken Densetsu), und die Marke Final Fantasy landete vor allem deshalb auf der Verpackung im Ausland, um einen unbekannten Neuling besser zu verkaufen.
Was Square anbot, war auf der damaligen tragbaren Hardware geradezu unerhört: ein Action-RPG, das in Echtzeit spielt. Statt der rundenbasierten Kämpfe, an die Konsolen-RPGs gewöhnt waren, schwingt man hier das Schwert direkt, weicht aus, passt Angriffe zeitlich ab — der Kampf erinnert eher an Zelda als an klassisches Final Fantasy. Dazu gesellt sich aber ein vollblütiges RPG-System: Erfahrung, Level, Ausrüstung, Zauber und ein Inventar. Diese Kombination aus sofortiger Action und Charakteraufbau machte Final Fantasy Adventure auf dem Game Boy zu einem absoluten Unikat ohne Konkurrenz.
An der Musik wirkte der Komponist Kenji Ito mit, dessen Melodien dem Spiel einen überraschend reichen und ergreifenden Anstrich verliehen, wie man ihn vom Vierkanal-Chip des Game Boy nicht erwarten würde. Zusammen mit einer ernsteren, stellenweise geradezu melancholischen Geschichte über einen Ritter, ein Mädchen und den Mana-Baum machte das den Titel zu einem Erlebnis, an das man sich länger erinnert als an so manches umfangreichere Konsolenspiel.
Die Bedeutung dieses Spiels liegt vor allem in dem, was es in Gang setzte. Die Mechaniken und die Welt, die Square hier zum ersten Mal ausprobierte, wurden zur Grundlage für Secret of Mana auf dem SNES — eines der beliebtesten Action-RPGs überhaupt — und der gesamten nachfolgenden Mana-Reihe. Final Fantasy Adventure ist somit keine Sackgasse und kein bloßes Spin-off, sondern die Wurzel eines verzweigten und verehrten Stammbaums.
Dass es ein Klassiker ist, den es Freude macht wiederzuentdecken, bestätigte auch das Remake Adventures of Mana (2016), das das ursprüngliche Spiel in eine modernere Form für Mobilgeräte und die PlayStation Vita überführte und daran erinnerte, wie zeitlos seine Grundlage war. Auch nach Jahren bleibt Final Fantasy Adventure ein Beispiel dafür, wie man auf einem winzigen Bildschirm eine große Geschichte erzählen kann.
Warum spielen: Die Wurzeln der Mana-Reihe und ein Action-RPG, das auf dem Game Boy keinen Rivalen hatte — historisch grundlegender und immer noch spielbarer Vorfahr von Secret of Mana.
Spiel 10 von 147 für Nintendo Game Boy
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