Baseball
Baseball gehörte zu den Titeln, die den Game Boy von seinem Start an begleiteten, und bildete zusammen mit Tennis und Golf ein Trio früher Sportspiele, an denen Nintendo austestete, wie gut sich eine dynamische Sportart auf einem kleinen monochromen Bildschirm darstellen lässt. Der Spieler wechselt zwischen den Rollen des Schlagmanns und des Werfers, wählt die Art des Wurfs, timt den Schlag mit dem Schläger und verfügt zudem über grundlegende Feldmanöver in der Verteidigung – es handelt sich also um ein wirklich vollständiges, wenn auch vereinfachtes Spiel über neun Innings. Das Spiel demonstrierte damals, dass sich selbst eine Sportart, die auf präzisem Timing und dem Lesen der Gegnerabsicht beruht, in ein Taschenformat übertragen lässt, ohne ihre grundlegende Logik zu verlieren.
Die Grafik ist rein funktional – die Spieler sind winzige, kaum unterscheidbare Figuren, und das Spielfeld wird nur durch wenige Linien angedeutet, doch die Animationen von Schlag und Fang sind gut genug lesbar, dass das Spiel selbst auf so einem kleinen Display nicht verwirrend wirkt. Die Steuerung ist einfach und schnell zu verstehen, was Baseball zu einem idealen Titel für kurze Spielsitzungen machte, auch für Spieler, die sich sonst überhaupt nicht für Sport interessierten. Dank des Verbindungskabels ließ sich auch gegen einen zweiten Spieler antreten, was damals zu den Hauptreizen der gesamten Konsole gehörte und die Richtung andeutete, die das künftige Sportangebot des Handhelds einschlagen sollte. Die Klangkulisse ist schlicht und auf ein paar Effekte beim Schlagen und Fangen des Balls beschränkt, verlieh dem Spiel aber immerhin ein grundlegendes sportliches Gefühl.
Im damaligen Kontext war es eine unauffällige, aber solide Demonstration dafür, dass eine tragbare Konsole auch ein Sportgenre bewältigen konnte, das bis dahin die Domäne von Heimsystemen war. Baseball war nie ein Titel, der den Game Boy definierte, half aber zusammen mit den anderen Launch-Spielen, das Bild der Konsole als vielseitiges, für ein breites Genrespektrum geeignetes Gerät zu zeichnen. Heute besitzt es vor allem historischen Wert – es zeigt, wie das Sportgenre in den allerersten Anfängen des Handheld-Gamings aussah, als jedes Pixel und jedes Animationsbild sorgfältig durchdacht sein musste, und erinnert an eine Zeit, in der ein monochromes Display der einzige Standard für mobiles Spielen war.
Spiel 104 von 147 für Nintendo Game Boy