Dr. Mario
Mario legte das Klempnerwerkzeug beiseite, zog einen weißen Kittel an und griff zur Spritze — und schenkte der Welt damit eines der süchtig machendsten Denkspiele, das je auf einem kleinen Bildschirm lief. Dr. Mario entstand in den Studios von Nintendo R&D1 genau zu der Zeit, als die Tetris-Manie den Handheld-Markt auf den Kopf stellte, und griff clever dieselbe Puzzle-Welle ab — nur mit eigenem, perfekt wiedererkennbarem Charakter.
Das Prinzip ist wunderschön einfach: Zweifarbige „Megavitamine“ fallen in ein Fläschchen, und deine Aufgabe ist es, sie so zu stapeln, dass vier Felder derselben Farbe in einer Reihe oder Spalte Viren derselben Farbe eliminieren. Je weniger Viren übrig bleiben, desto angespannter das Spiel — die letzten zwei, drei Stücke können sich in den Ecken verstecken und zwingen dich zu riskanten Kombinationen. Aus der schlichten Idee „verbinde vier Farben“ entsteht so ein Spiel, das man in dreißig Sekunden lernt, aber nie ganz besiegt.
Anders als viele Klone der Zeit hatte Dr. Mario auch im Klang eine eigene Handschrift. Die zwei Musikmotive — das flotte Fever und das entspanntere Chill — gehören zum Besten, was Nintendos Komponisten für das Puzzle-Genre schrieben, und erscheinen bis heute in Remixen quer durch die Smash-Bros.- und Mario-Serien. Das Spiel erschien gleichzeitig auf NES und Game Boy, sodass es schnell in die Wohnzimmer und Taschen vordrang.
Wo Dr. Mario wirklich voll aufblüht, ist der Zwei-Spieler-Versus-Modus. Zwei per Link-Kabel verbundene Spieler machen einander das Leben schwer, das Füllen des gegnerischen Bildschirms spannt die Nerven zum Zerreißen, und aus dem ruhigen Vernichten von Bazillen wird eine adrenalingeladene Schlacht. Genau diese kompetitive Ebene machte das Spiel zum Party-Dauerbrenner und zum Grund, warum die Menschen seit Jahrzehnten immer wieder dazu zurückkehren.
Das Phänomen war so stark, dass Dr. Mario seine eigene kleine Serie startete, die bis heute in Form neuerer Versionen und mobiler Umsetzungen weiterlebt. Es ist ein Musterbeispiel für Nintendos Gespür für eine Mechanik, die man nicht durch Hinzufügen verbessern kann — nur durch das Feinabstimmen jedes Details.
Warum spielen: Wenn du ein perfekt geschliffenes Puzzle für fünf Minuten oder fünf Stunden willst und einen Freund für ein Versus-Match zur Hand hast, ist Dr. Mario ein süchtig machender Klassiker, der keinen Tag gealtert ist.
Spiel 18 von 147 für Nintendo Game Boy
Derselbe Titel woanders (1)
Die NES-Version profitiert von einem Farbfernseher — die roten, gelben und blauen Viren sind auf einen Blick an der Farbe zu erkennen, und das Spiel bietet zudem einen kompetitiven Zwei-Spieler-Modus nebeneinander auf geteiltem Bildschirm, was auf dem kleinen Game-Boy-Bildschirm nicht möglich ist. Die tragbare Game-Boy-Version läuft dagegen nur in vier Grautönen, sodass Viren und Kapseln anhand von Form und Muster statt Farbe unterschieden werden müssen — das Gameplay selbst ist aber identisch, und die Tragbarkeit machte das Spiel zu einem der Zugpferde der gesamten Konsole. Wer bequemere Übersicht und Farbe will, greift zum NES, wer überall spielen will, zum Game Boy.
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