Commodore · 1982Computer
Commodore 64
Geschichte & Kontext
Als Commodore im August 1982 den Commodore 64 vorstellte, ahnte kaum jemand, dass er gerade eine Maschine startete, die sich als meistverkauftes Computermodell aller Zeiten ins Guinness-Buch der Rekorde eintragen würde. Die Schätzungen schwanken zwischen 12 und 17 Millionen verkauften Stück, und selbst die niedrigere Grenze ist eine Zahl, der sich kein anderer Heimcomputer näherte. Das Geheimnis des Erfolgs lag nicht nur in der Technik, sondern im Preis — Commodore besaß den Chiphersteller MOS Technology und konnte so einen aggressiven Preiskrieg führen, der Konkurrenten wie Texas Instruments buchstäblich vom Markt drängte. Der C64 brachte Rechentechnik und Spielen in Millionen Wohnzimmer und wurde zum ungekrönten König der europäischen Spieleszene der achtziger Jahre. Während in den USA und in Japan die Konsolen herrschten, spielte man in Europa auf dem "Vierundsechziger".

Technik: Grafik und Ton
Das Herzstück des Computers war der achtbittige Prozessor MOS 6510 (eine Variante des berühmten 6502), der mit rund 1 MHz lief, und 64 kB RAM, nach denen der Computer benannt wurde. Um das Bild kümmerte sich der Grafikchip VIC-II, der sowohl den Text- als auch den Bitmap-Modus beherrschte, eine Palette von 16 Farben und die Hardwareunterstützung von acht Sprites (beweglichen Objekten) pro Zeile. Gerade die Sprites und das Hardware-Smooth-Scrolling ermöglichten flüssige Arcade-Action, für die etwa dem ZX Spectrum die Puste ausging. Die Demoszene entdeckte zudem eine Reihe von Tricks, um die Grenzen zu überwinden — Sprite-Multiplexing für Dutzende Objekte auf dem Bildschirm oder das Öffnen des oberen und unteren Bildrands.
Die wahre Geheimwaffe war aber der Soundchip SID (offiziell MOS 6581, später die Revision 8580). Für das Jahr 1982 war er ein unglaublich fähiger Musikprozessor mit drei unabhängigen Stimmen, vier Wellenformen (Sägezahn, Dreieck, Rechteck/Puls und Rauschen), ADSR-Hüllkurven, Ringmodulation und einem programmierbaren analogen Filter. Der SID machte aus dem C64 ein vollwertiges Musikinstrument. Komponisten wie Rob Hubbard, Martin Galway oder Chris Hülsbeck (Turrican) entlockten ihm Musik, die bis heute zu den Ikonen des Spielsounds gehört. Um den Chip herum entstand ein ganzes Genre der "SID-Musik", das bis heute lebt.

Verbindung und Peripherie
Der C64 saß inmitten eines reichen Ökosystems an Zubehör. Spiele wurden vom Kassettenrekorder Datasette geladen, schneller war das Diskettenlaufwerk 1541 für 5,25"-Disketten (berüchtigt für seine Langsamkeit wie auch für sein charakteristisches Klappern, das die Demoszene als Rhythmus zu nutzen lernte). Zum Computer gehörten zwei Ports für Joysticks des Atari-Standards, sodass ein gewöhnliches Paddle genügte und der Multiplayer war da.
Von den weiteren Peripheriegeräten seien der Lichtgriffel über den Joystick-Port, die Ein-Tasten-Maus und später das Laufwerk 1351 mit einer echten Maus für Programme wie GEOS genannt. Die Verbindung zum Fernseher löste ein RF-Modulator, ein besseres Bild bot der Composite-/S-Video-Ausgang über den DIN-Anschluss. Für die Online-Welt gab es Modems und zu ihrer Zeit populäre Dienste; der User-Port und der serielle Port ermöglichten den Anschluss von Druckern und weiterer Hardware.

Modelle und Revisionen
Die ursprüngliche "Breadbin" (Brotkasten) mit beiger Tastatur wurde 1986 vom Redesign C64C in flacher, hellerer Ausführung abgelöst, die zum Laufwerk 1541-II passte. Im Inneren kamen nach und nach neuere Revisionen der Hauptplatine und der erwähnte neuere Soundchip 8580 hinzu. Commodore bot auch eine tragbare Variante an, den SX-64 — den ersten farbigen "Luggable"-Computer mit eingebautem Monitor und Diskettenlaufwerk. Die Linie setzte der leistungsfähigere Commodore 128 fort, der auch in einem voll kompatiblen C64-Modus laufen konnte, sodass die Besitzer ihre Spielebibliothek nicht verloren. Einen professionelleren Ableger stellte ein Business-Modell mit erweitertem Speicher dar, das sich jedoch nie als Spielemaschine durchsetzte.
Klone und Varianten
Commodore hielt die C64-Architektur fest in seinen Händen (es besaß auch die Chipproduktion), sodass nur wenige direkte inoffizielle Klone entstanden — anders als etwa beim ZX Spectrum, dessen tschechoslowakischer Klon Didaktik in Skalica hergestellt wurde, oder beim NES mit seinen Famiclones und dem polnischen Pegasus. Der C64 verbreitete sich im Ostblock so hauptsächlich als grauer Import von Originalstücken.
Von den späteren offiziellen Varianten ist die Spielkonsole C64 Games System (C64GS) aus dem Jahr 1990 erwähnenswert — ein Computer ohne Tastatur, der nur für Cartridges bestimmt war, auf dem Markt jedoch durchfiel. An die heutige Zeit erinnern dann die Miniaturreplik THEC64 Mini und der vollwertige THEC64 mit funktionsfähiger Tastatur, herausgegeben von der Firma Retro Games Ltd.
Die heutige Szene
Der C64 bleibt eine unerschöpfliche Schatzkammer. Der Maßstab der Emulation ist das Open-Source-VICE, das praktisch überall läuft — auf PCs, Handys und Retro-Handhelds. Mit dem C64 ist untrennbar die Demoszene verbunden, eine Gemeinschaft von Programmierern, die darum wetteifern, wer aus der Hardware das Unmögliche herauspresst. Diese Szene entstand auf dem C64 und lebt bis heute; ihr Archiv CSDb ist ein unerschöpflicher Brunnen. Es erscheint auch modernes Homebrew, das wie Konsolenspiele aussieht — das Flaggschiff ist Sam's Journey von Knights of Bytes. Für einen Europäer ist die Rückkehr zum "Vierundsechziger" ein wenig eine Rückkehr nach Hause.
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