M.U.L.E.
Wenn heute von Spielen die Rede ist, die ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus waren, steht M.U.L.E. ganz oben auf der Liste. Dieses Wirtschaftsstrategiespiel für bis zu vier Spieler von Ozark Softscape (unter der Leitung von Dan Bunten) erschien 1983 unter dem Banner von Electronic Arts und wird bis heute als Musterbeispiel für geniales Multiplayer-Design studiert. Sie besiedeln den Planeten Irata, kaufen Grundstücke, fördern Energie, Nahrung und das Erz Smithore und heuern robotische Maultiere an (Mult-Use Labor Elements — daher der Name), um Ihren Teil der Welt fruchtbar zu machen.
Der Zauber des Spiels liegt in der Spannung zwischen Konkurrenz und Kooperation. Es gewinnt zwar der Einzelne mit dem höchsten Vermögen, doch wenn die Kolonie als Ganzes bankrottgeht, verlieren alle — also müssen Sie Ihre Gegner gelegentlich stützen, damit der Markt nicht zusammenbricht. Auktionen laufen in Echtzeit ab, die Preise schwanken nach Angebot und Nachfrage, und ein einziges Zufallsereignis kann die Rangfolge auf den Kopf stellen. Die Wirtschaft atmet hier förmlich.
M.U.L.E. war nie ein kommerzieller Kassenschlager, wurde aber zur unsterblichen Legende unter Kennern. Sid Meier und andere Designer nennen es immer wieder als Inspiration. Auf dem Commodore 64 ist es einer der besten Gründe, drei Freunde an einer einzigen Tastatur zu versammeln.
Spiel 55 von 121 für Commodore 64
Derselbe Titel woanders (1)
M.U.L.E. entstand auf den 8-Bit-Heimcomputern von Atari, die von Haus aus bis zu vier Joysticks gleichzeitig unterstützten, sodass alle vier Spieler an einem einzigen Rechner mit jeweils eigenem Steuerknüppel sitzen konnten. Der Commodore 64 besitzt physisch nur zwei Joystick-Ports, weshalb die Portierung den dritten und vierten Spieler über die Tastatur abwickeln musste, was das Spiel bei voller Besetzung etwas unbequemer macht. Dafür profitiert der C64 von seinem SID-Soundchip, der Musik und Effekten einen volleren, vielschichtigeren Klang verleiht als der POKEY-Chip des Atari. Inhaltlich und optisch stehen sich beide Fassungen sehr nahe, die Wahl ist also vor allem eine Frage von bequemerer Steuerung zu viert gegenüber reicherem Klang.