Stunt Car Racer
Stunt Car Racer aus dem Jahr 1989 von Programmierer Geoff Crammond zählt zu den originellsten Rennspielen der Achtbit-Ära. Statt klassischer Strecken bietet das Spiel wahnwitzige, erhöhte Bahnen voller Sprünge, Kurven ohne Leitplanken und langer Stürze ins Leere – schon eine schlechte Landung nach einem Sprung genügt, und der Wagen zerbirst in Einzelteile, begleitet von einer effektvollen Animation der zerberstenden Karosserie. Die Duelle finden stets eins gegen eins in einer Turnierrangliste statt, in der sich der Spieler nach und nach von den schwächsten Gegnern zu den Ligameistern hocharbeitet, wobei sich ein beschädigtes Auto zwischen den Runden nur begrenzt reparieren lässt und ein lädierter Wagen sich schlechter steuern lässt, was den Spieler zu vorsichtigerer, aber zugleich schneller Fahrweise zwingt.
Auf dem Commodore 64 läuft das Spiel in schneller Drahtgitter-3D-Grafik, die trotz der Hardwarebeschränkungen überraschend flüssig wirkt und dem Spieler ein klares Gefühl von Geschwindigkeit und Höhe über der Strecke vermittelt, während sich die Bahn hoch über dem Boden ohne jegliche Sicherheitsleitplanke schlängelt. Die Fahrzeugphysik, das Hüpfen über Unebenheiten der Strecke und die Notwendigkeit, vor Sprüngen zu bremsen, erzeugen eine Spannung, wie sie damalige Rennspiele meist nicht boten, denn schon ein einziger Fehler bei der Einschätzung der Entfernung zum nächsten Streckensegment kann einen sofortigen Absturz bedeuten. Die Klangeffekte von Motor und Zusammenstößen sind schlicht, doch die Musik zwischen den Runden rundet die Atmosphäre eines angespannten Turniers ab, in dem sich der Spieler nach und nach mit immer gewandteren Gegnern misst und sich in engen Duellen um den weiteren Aufstieg an deren aggressiven Fahrstil anpassen muss.
Stunt Car Racer wurde zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung von der Kritik gerade wegen seines mutigen Konzepts und der technischen Umsetzung sehr geschätzt und zählt bis heute zu den Titeln, die man auf dem C64 als Beispiel dafür ausprobieren sollte, wozu die Maschine in den Händen eines erfahrenen Programmierers fähig war. Sein Einfluss zeigt sich auch in späteren Stunt-Rennspielen, und das Spiel bewahrt sich sein frisches, süchtig machendes Gefühl auch nach Jahrzehnten, denn die Kombination aus einfachen Regeln und gnadenloser Physik funktioniert unabhängig vom Alter des Titels und bringt den Spieler immer noch dazu, es noch ein letztes Mal zu versuchen.
Warum spielen: Für Fans gnadenloser Physik und einfacher Regeln, die auch nach Jahren noch zu einem letzten Versuch verleiten, zählt es zu den Titeln, die zeigen, wozu der C64 in den Händen eines geschickten Programmierers fähig war.
Spiel 99 von 121 für Commodore 64
Derselbe Titel woanders (3)
Stunt Car Racer erschien praktisch gleichzeitig für Commodore Amiga und Atari ST, und der Unterschied macht sich vor allem in der Flüssigkeit bemerkbar: Dank ihres Blitters füllt die Amiga die Streckendreiecke schneller, wodurch Sprünge durch die Luft und der Aufprall auf die Stahlkonstruktion geschmeidiger wirken, während die Atari-ST-Fassung eher ruckelig und langsamer läuft, weil ihr schwächeres Grafiksystem weniger Bilder pro Sekunde schafft. Musik und Aufprallgeräusche ähneln sich auf beiden Rechnern, doch wegen dieser Flüssigkeit gilt die Amiga-Version allgemein als jene, die heutige Spieler am meisten genießen, wenn sie das Rampenrennen in seiner besten Form erleben wollen.