Wasteland
Wasteland von Interplay aus dem Jahr 1988 gilt zu Recht als geistiger Vorläufer der Fallout-Serie und als eines der einflussreichsten postapokalyptischen Rollenspiele überhaupt. Der Spieler befehligt ein Team von Desert Rangers, das ein durch einen Atomkrieg verwüstetes Amerika durchquert, moralische Dilemmata löst, sich bei einzelnen Fraktionen Ansehen erarbeitet und Mutanten, Robotern sowie verzweifelten Überlebenden begegnet, die um die letzten Ressourcen kämpfen. Auf dem Commodore 64 arbeitete das Spiel mit einer Kartenansicht von oben und taktischen, rundenbasierten Kämpfen, ergänzt durch das ikonische System nummerierter Textabschnitte aus dem beiliegenden Buch – in Schlüsselmomenten verwies das Spiel den Spieler auf eine bestimmte Nummer im Handbuch, was damals half, die Speicherbeschränkungen der Maschine zu umgehen, und zugleich als Kopierschutz diente.
Wasteland zeichnete sich durch sein nichtlineares Design aus: Die Welt lässt sich in unterschiedlicher Reihenfolge erkunden, Entscheidungen haben dauerhafte Folgen, und das Spiel merkt sich zerstörte oder gelöste Orte auch nach dem Neuladen eines gespeicherten Standes. Die Fähigkeiten der Charaktere reichten von Schusswaffen über das Steuern und Reparieren von Fahrzeugen bis hin zu ungewöhnlichen Bereichen wie dem Entschärfen von Fallen oder dem Reden mit Tieren, was wirklich unterschiedliche Herangehensweisen an die einzelnen Aufgaben förderte. Die Atmosphäre wurde durch schlichte, aber funktionale Grafik und einen düsteren, rauen Ton abgerundet, der für Rollenspiele jener Zeit ungewöhnlich war und das Spiel deutlich von märchenhafteren Fantasy-Titeln abhob.
Die zeitgenössische Kritik lobte das Spiel für Ambition und Originalität, auch wenn die Steuerung und die umfangreichen Textpassagen im Buch für manche Spieler anspruchsvoll und wenig zugänglich sein konnten. Wasteland prägte die Ausrichtung des Genres hin zu moralisch mehrdeutigen, offenen Welten mit dauerhaften Konsequenzen für Entscheidungen grundlegend, und sein Erbe ist bis heute nicht nur in Fallout, sondern auch in vielen anderen modernen Rollenspielen sichtbar. Heute ist das Spiel vor allem eine historische Kuriosität, doch sein System aus Wahl und Konsequenz wirkt überraschend modern und zeitlos.
Warum spielen: Für alle, die sich für die Wurzeln von Fallout und moralisch mehrdeutige offene Welten interessieren, bietet Wasteland ein System aus Wahl und Konsequenz, das auch nach Jahren überraschend modern wirkt, auch wenn die Steuerung anspruchsvoll bleibt.
Spiel 78 von 121 für Commodore 64