Sinclair · 1982Computer
ZX Spectrum
Geschichte & Kontext
Als Sir Clive Sinclair im April 1982 mit seinem ZX Spectrum herauskam, war es nicht nur ein weiterer Heimcomputer — es war eine Maschine, die eine ganze britische Generation das Programmieren und Spielen lehrte. Wo in Amerika der Commodore 64 König war, herrschte in Großbritannien und weiten Teilen Europas gerade das Spectrum. Sein Geheimnis war der Preis: Sinclair baute den Computer auf einer Philosophie maximaler Sparsamkeit auf, mit einem Minimum an Bauteilen, seiner berühmten Gummitastatur im "Taschenrechner"-Stil und bloßen 16 oder 48 kB Speicher. Es war ein Volkscomputer im wörtlichsten Sinne — und genau deshalb wuchs aus ihm eine der erfindungsreichsten Spieleszenen der achtziger Jahre.
Das Spectrum war technisch bescheiden und hatte eine berüchtigte Eigenart, die heute jeder Eingeweihte auf den ersten Blick erkennt. Doch gerade aus diesen Einschränkungen wurde ein eigenständiger visueller Stil geboren, der noch nach über vierzig Jahren wiedererkennbar ist.

Technik: Grafik und Ton
Das Herz des Computers war ein Acht-Bit-Prozessor Zilog Z80A, getaktet mit 3,5 MHz. Der Grafikmodus bot eine Auflösung von 256 x 192 Punkten, wobei die Palette 15 Farben zählte (acht Grundfarben in zwei Helligkeitsstufen, wobei Schwarz in beiden gleich ist). Hier kommt allerdings jene berühmte Achillesferse — der Attribute Clash, also der Farbkonflikt. Das Spectrum speicherte die Farbe nämlich nicht für jedes Pixel einzeln, sondern nur für Blöcke von 8 x 8 Punkten: Jeder solche Block konnte nur zwei Farben enthalten (Vordergrund und Hintergrund). Wenn sich ein Objekt über den Hintergrund bewegte, "färbte" es oft den ganzen Zeichenblock um, durch den es hindurchging. Die Entwickler lernten, das durch geschicktes Grafikdesign zu umgehen, und heute wird dieses Phänomen als charakteristisches Merkmal der Spectrum-Ästhetik empfunden.
Der Ton war bei den ursprünglichen Modellen noch bescheidener. Das Spectrum 48K verfügte über einen einzigen "Beeper" — einen Ein-Bit-Lautsprecher, der direkt vom Prozessor gesteuert wurde. Dennoch schafften es geschickte Programmierer wie Tim Follin, aus diesem einen Kanal mehrstimmige Melodien zu zaubern, die unglaublich klingen. Der eigentliche musikalische Sprung kam erst mit dem Modell 128K, das den Soundchip General Instrument AY-3-8912 mit drei Kanälen und einem Rauschgenerator hinzufügte.

Anschlüsse und Peripherie
Sinclair blieb auch bei den Anschlüssen der Sparsamkeit treu. Das Spectrum benutzte zum Speichern von Daten einen gewöhnlichen Kassettenrekorder (die EAR/MIC-Schnittstelle), was lange Minuten des Ladens unter Begleitung des charakteristischen Pfeifens bedeutete. Das Bild wurde über einen RF-Modulator an die Antenne des Fernsehers ausgegeben.
Zur Erweiterung diente der hintere Kantenstecker (Edge Connector), an den eine Reihe von Peripheriegeräten angeschlossen wurde. Am bedeutendsten waren das ZX Interface 1 mit den Microdrive-Mikroband-Einheiten (Endlosband-Kassetten als schnellerer Ersatz für den Rekorder) und das ZX Interface 2, das zwei Joystick-Ports und einen Slot für eine ROM-Cartridge hinzufügte. Joysticks wurden über die Standards Kempston und Sinclair angeschlossen. Beliebt war auch die Druckeinheit ZX Printer.
Modelle und Revisionen
Die Reihe durchlief im Laufe der Jahre eine deutliche Evolution. Das anfängliche ZX Spectrum 16K/48K (1982) wurde durch seine Gummitastatur berühmt. 1984 kam das Spectrum+ mit einer besseren, aus Plastik gefertigten Tastatur in einem neuen Gehäuse. Ein Wendepunkt war das ZX Spectrum 128K (zunächst für den spanischen Markt, 1985), das den erwähnten AY-Chip und mehr Speicher brachte.
Nach der Übernahme der Marke durch die Firma Amstrad folgten Modelle mit eingebautem Bandlaufwerk: das Spectrum +2 (1986) mit integriertem Kassettenrekorder und das Spectrum +3 (1987) mit einem 3-Zoll-Diskettenlaufwerk. Diese späteren Varianten erkennt man an der grauen (+2) und schwarzen (+3) Ausführung.

Klone und Varianten
Das Spectrum gehört zu den am meisten geklonten Computern der Geschichte, und seine Spur ist auch in unseren Breiten stark. In der damaligen Tschechoslowakei stellte das Unternehmen Didaktik in Skalica eine Serie eigener Klone her — Didaktik Gama, später Didaktik M und Didaktik Kompakt mit Diskettenlaufwerk. Es handelte sich um legendäre Maschinen, auf denen die tschechische und slowakische Acht-Bit-Generation aufwuchs; sie fügten unter anderem eigene Speichererweiterungen und Ports hinzu.
Außerordentlich umfangreich war die Klonszene in der ehemaligen Sowjetunion, wo Dutzende Modelle wie der Pentagon oder Scorpion entstanden — diese wurden faktisch zu einer eigenen Plattform mit einer reichen Softwareproduktion, die bis heute lebt. In Brasilien wiederum stellte die Firma Microdigital das Modell TK90X her.
Die heutige Szene
Die Emulation des Spectrum ist heute völlig trivial — hervorragend sind zum Beispiel Fuse (Free Unix Spectrum Emulator) oder ZEsarUX, verfügbar auf allen Plattformen einschließlich Handhelds. Ein riesiger Vorteil ist das Projekt World of Spectrum, dank dem Tausende Spiele legal und kostenlos mit Genehmigung der Autoren verfügbar sind.
Die heimische Szene bleibt dabei außerordentlich lebendig. Es erscheinen immer noch neue Homebrew-Titel, die den zeitgenössischen kühn Konkurrenz machen — etwa das Action-Spiel Sword of Ianna. Es stehen moderne Entwicklungswerkzeuge sowie Hardware-Neuheiten wie das ZX Spectrum Next zur Verfügung, ein von der Gemeinschaft entworfener Nachfolger, der auf dem Erbe von Sinclairs Maschine aufbaut und beweist, dass die vierzigjährige Legende keineswegs ihr letztes Wort gesprochen hat.
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