La Abadía del Crimen
Es gibt Spiele, die sich technisch allem entziehen, was man auf der jeweiligen Plattform für möglich hielt — und La Abadía del Crimen ist genau so ein Fall. Dieses spanische Adventure, lose inspiriert von Umberto Ecos Roman Der Name der Rose, ist nicht nur auf der Iberischen Halbinsel eine Legende.
Der Spieler versetzt sich in den Mönch William von Occam (ein Pendant zu William von Baskerville), der in einem düsteren mittelalterlichen Kloster eine Mordserie untersucht. Das Spiel kombiniert ein Adventure mit Simulationselementen — ihr müsst den Klosterzeitplan einhalten, zu Gottesdiensten und Mahlzeiten gehen, euch in Echtzeit bewegen und euren Gehilfen Adso im Auge behalten. Das Kloster ist in einer eindrucksvollen isometrischen Perspektive mit flüssiger Figurenbewegung dargestellt, was auf Achtbit-Hardware nahezu wundersam wirkte.
Hinter dem Spiel steht der spanische Entwickler Paco Menéndez zusammen mit der Grafikerin Juana Ortega; der Titel erschien 1987. Ursprünglich sollte er direkt nach Ecos Roman benannt werden, erhielt aber wegen ungeklärter Rechte den Namen La Abadía del Crimen. Bis heute gilt er als einer der technischen und künstlerischen Höhepunkte der gesamten spanischen Spieleszene, der sogenannten Edad de Oro del software español.
Für seine Zeit war es ein außergewöhnlich ehrgeiziges Design: Das Spiel bestrafte den Spieler für das Nichteinhalten der Ordnung, verlangte Beobachtung und Deduktion und erzählte eine echte Geschichte mit Atmosphäre. Diese Kombination aus Umgebungssimulation und Detektivhandlung war der Zeit um Jahre voraus.
La Abadía del Crimen erwarb sich den Ruf eines Kultwerks und erhielt moderne Remakes und Übersetzungen, dank derer es auch Spieler außerhalb der spanischsprachigen Welt entdecken können. Für Kenner der europäischen Spielegeschichte ist es ein nicht zu übersehender Meilenstein.
Warum spielen: Für ein technisch wie atmosphärisch außergewöhnliches Detektiv-Adventure, das zu den Höhepunkten der spanischen Achtbit-Ära gehört.
Spiel 24 von 100 für ZX Spectrum