Nintendo DS – fotografieNintendo · 2004

Handhelds

Nintendo DS

Nintendo Jahr 2004 150 Spiele

Geschichte & Kontext

Als Nintendo Ende 2004 ein Gerät mit zwei Bildschirmen vorstellte, von denen einer berührungsempfindlich war, klang das nach einem Wagnis. Die Konkurrenz an der Spitze mit Sony und seiner glänzenden PSP setzte auf Leistung und Multimedia; Nintendo kam stattdessen mit einer „dritten Säule", die nirgendwo hineinpasste — und aus ihr wurde eines der meistverkauften Spielesysteme aller Zeiten mit mehr als 150 Millionen Stück. Der Nintendo DS (Abkürzung für „Dual Screen" wie auch „Developers' System") setzte nicht darauf, wer mehr Pixel hat, sondern darauf, wie gespielt wird. Und es gewann.

Der Zauber lag in der Bedienung. Der untere Touchscreen wurde mit einem Stylus oder dem Finger bedient, dazu ein Mikrofon und später sogar Bewegungs- und andere Zusätze in den Modulen. Das öffnete die Tür zu völlig neuen Arten von Spielen sowie zu Spielern, die bis dahin nie einen Controller in die Hand genommen hatten — vom Gehirntraining über die Pflege virtueller Welpen bis zum Zeichnen von Rätsellösungen direkt auf dem Bildschirm.

Technik: zwei Bildschirme und ein 3D-Chip

Im Inneren ticken zwei ARM-Prozessoren (ARM9 bei ~67 MHz und ARM7 bei ~33 MHz), die sich die Arbeit teilen. Jeder der beiden 3-Zoll-LCD-Bildschirme hat eine Auflösung von 256×192 Punkten; der untere ist resistiv berührungsempfindlich. Die Grafik kombiniert 2D-Ebenen im Stil einer fortgeschrittenen „GBA-Generation" mit einem eigenständigen 3D-Kern, der texturierte Polygone bewältigt — dadurch entstanden Titel wie Super Mario 64 DS, Mario Kart DS oder Metroid Prime Hunters. Den Ton besorgen 16 Kanäle und eingebaute Stereolautsprecher.

Eine große Rolle spielen das Mikrofon (Pusten, Spracheingaben) und die RTC-Uhr, auf der Spiele wie Animal Crossing oder die Pokémon-Tag-und-Nacht-Zyklen aufbauten. Die DS-Module sind kleine Flash-Karten mit eigenem Speicher; Slot 2 (GBA) sorgte zudem für Abwärtskompatibilität mit der gesamten Game-Boy-Advance-Bibliothek und diente auch für Zubehör (Rumble Pak, Guitar Grip).

Vernetzung: Touch, WLAN und lokales Spiel

Der DS hatte von Anfang an eingebautes WLAN. Lokal genügte es, dass ein Spieler das Spiel besaß — über Download Play verschickte er eine Demoversion an die umliegenden DS-Geräte, und es wurde mit mehreren Leuten aus einem Modul gespielt. Den Online-Dienst Nintendo Wi-Fi Connection nutzten Mario Kart DS, Pokémon oder Tetris DS für Partien über das Internet (die offiziellen Server laufen heute nicht mehr, die Community hat sie aber über alternative Server wiederbelebt).

Gerade der lokale Mehrspielermodus ist bis heute einer der Gründe, warum der DS beliebt bleibt: Es genügt eine Truppe mit Konsolen in Reichweite und einem einzigen Modul.

Modelle und Revisionen

Nintendo DS Lite
DS Lite (2006) — ein dünneres Redesign mit helleren Displays
Nintendo DSi
DSi (2008) — zwei Kameras und der DSiWare-Shop

Das ursprüngliche „dicke" Modell (2004) wurde bald vom eleganten DS Lite (2006) abgelöst — dünner, leichter und mit deutlich helleren Displays; das ist das Modell, das sich am meisten verkaufte. Es folgte der DSi (2008) mit zwei Kameras, einem eigenen DSiWare-Shop und einem schnelleren Chip, allerdings ohne GBA-Slot. Der DSi XL bot dann große Bildschirme für bequemeres Spielen. Die Linie wurde schließlich 2011 vom Nintendo 3DS mit Abwärtskompatibilität und stereoskopischem 3D abgelöst.

Klone und die Grauzone

Der DS wurde auch durch Flash-Karten (R4 und ähnliche) berühmt, die es ermöglichten, Homebrew und Sicherungskopien auszuführen — es war ein enormes Phänomen, das Nintendo erfolglos bekämpfte. Für Entwickler und Enthusiasten bedeutete es aber auch eine reiche Homebrew-Szene: eigene Anwendungen, Emulatoren und Spiele, geschrieben über devkitARM und die Bibliothek libnds.

Die heutige Szene

Die DS-Emulation ist heute ausgereift. Auf PC und Mobilgeräten herrscht melonDS (präzise, mit Online-Unterstützung über alternative Server) sowie DeSmuME; auf schwächerer Hardware und Handhelds läuft der DS über Kerne in RetroArch. Das Spielen mit zwei Bildschirmen ist auf Emulatoren eine Frage der Anordnung — nebeneinander, übereinander, oder einer groß und der andere in der Ecke. Auf Geräten wie Anbernic oder Retroid läuft der DS an, doch der Touch wird durch einen Stylus auf einem Touch-Display oder durch die Belegung des rechten Sticks ersetzt, sodass rein „Stylus-basierte" Spiele (Trauma Center, Zeichnen) ein paar Kompromisse verlangen. Dennoch ist die DS-Bibliothek — von JRPGs über Castlevania bis Ace Attorney — eine der reichsten und zeitlosesten, die das Retro-Spielen bietet.

Worauf man den DS heute spielt: Emulatoren und Handhelds

Der DS gehört zu den genügsamen Systemen, sodass ihn fast alles zum Laufen bringt — der Haken liegt nicht in der Leistung, sondern darin, wie man die zwei Bildschirme und den Touch löst. Hier ein praktischer Überblick:

  • PC (das beste Erlebnis): greif zu melonDS — es ist präzise, flott und hat sogar den wiederhergestellten Online-Mehrspielermodus über alternative Server (Wi-Mmproxy/Kaeru). Eine ältere, aber weiterhin funktionierende Wahl ist DeSmuME. Beide laufen auch im Rahmen von RetroArch (der melonDS-Kern). Den Touch bedienst du mit der Maus, und die zwei Bildschirme legst du nebeneinander, übereinander oder einen groß und den anderen in der Ecke an.
  • Android-Telefon / -Tablet: eine ideale Kombination, weil der Touchscreen den Stylus ersetzt. Es herrscht melonDS (kostenlos) sowie das kommerzielle DraStic (sehr schnell). Auf leistungsfähigem Android läuft der DS ohne Probleme auch mit Upscaling.
  • Android-Retro-Handhelds (Retroid Pocket, Odin, AYN): hervorragend — sie haben ein Touch-Display, sodass Stylus-Spiele natürlich funktionieren, und Leistung ist genug da, sogar für 3D-Titel wie Mario Kart DS oder Metroid Prime Hunters.
  • Anbernic / Linux-Handhelds (RG35XX und Co.): der DS läuft über RetroArch an, aber es ist ein Kompromiss — schwächere Stücke mit dem Allwinner H700 bewältigen 2D-Spiele ordentlich, 3D hakt schon. Vor allem fehlt aber der bequeme Touch: den unteren Bildschirm bedienst du entweder auf dem (oft nicht berührungsempfindlichen) Display oder über den auf den rechten Stick gelegten Touch.
  • R36S und die billigsten Kästchen: der DS ist hier an der Grenze — der RK3326 stemmt nur einfachere 2D-Spiele, und der Touch ist lästig. Für den DS wähle lieber ein Android-Gerät oder einen PC.

Ob es geht: ja, und leicht — wähle nur das Gerät nach den Spielen aus. Für JRPGs, Visual Novels und 2D-Plattformer (Pokémon, Castlevania, Ace Attorney) genügt alles; für 3D- und Stylus-Spiele greif zu Android oder PC, wo sowohl Touch als auch Leistung am besten passen.

Warum man ihn kennen sollte: Der Nintendo DS zeigte, dass Innovation in der Bedienung rohe Leistung schlagen kann — und er hinterließ eine Bibliothek voller Spiele, die man anderswo nicht findet.

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