Sony PSP – fotografieSony · 2004

Handhelds

Sony PSP

Sony Jahr 2004 122 Spiele 16 mit Kommentar

Geschichte & Kontext

Als Sony 2004 (in Japan am 12. Dezember 2004, in Europa im Frühjahr 2005) die PlayStation Portable vorstellte, war dies der kühnste Angriff auf den mobilen Markt, den bis dahin jemand unternommen hatte. Nintendo hielt das mobile Spielen länger als fünfzehn Jahre fest in der Hand — vom Game Boy über den Game Boy Color bis zum Game Boy Advance. Die PSP war die erste Konsole, die ein echtes Konsolenerlebnis für die Hosentasche versprach: ein Breitbild-Display, flüssige 3D-Grafik nahe an der PlayStation 2 und Multimedia-Ambitionen, wie sie bis dahin niemand in eine mobile Spielmaschine gequetscht hatte.

Gegen die PSP stellte sich der Nintendo DS mit zwei Displays und Touch. Beide Geräte fanden schließlich ihr Publikum — der DS siegte beim Verkauf, aber die PSP wurde zum Liebling der Spieler, die auch unterwegs „große“ Spiele wollten. Und nicht nur der Spieler: dank ihrer Offenheit für eigenen Code bildete sich um sie eine der lebendigsten Homebrew- und Emulationsszenen überhaupt.

Das ursprüngliche Modell PSP-1000
Das ursprüngliche Modell PSP-1000

Technik: Grafik und Sound

Das Herz der PSP ist ein Paar von Prozessoren auf Basis der MIPS-R4000-Architektur — die Haupt-CPU und eine separate Media Engine, beide variabel bis zu 333 MHz getaktet (die ursprüngliche Firmware beschränkte sie zugunsten der Akkulaufzeit auf 222 MHz). Um die Grafik kümmert sich eine eigene GPU mit 2 MB Videospeicher, das System hat weitere 32 MB Hauptspeicher (Modelle ab der PSP-2000 erhielten das Doppelte, also 64 MB).

Das Display des ursprünglichen Modells misst 4,3 Zoll und bietet eine Auflösung von 480 × 272 Pixeln im Verhältnis 16:9 mit 16,77 Millionen Farben — für das Jahr 2005 war es ein außergewöhnlich scharfes und farbenfrohes Panel. Die GPU beherrschte hardwareseitiges Texturing, Gouraud-Shading und Transformationen, wodurch Titel wie God of War oder GTA ihrer „großen“ Konsolenvorlage optisch nahekamen.

Für den Sound sorgt ein Hardware-Decoder, der Formate wie ATRAC3 und MP3 sowie mehrkanalige Ausgabe beherrscht; Stereolautsprecher werden durch einen Kopfhörerausgang ergänzt. Für Musik wie für Spiele war es sauberer, hochwertiger Klang — die PSP wurde übrigens auch als tragbarer Medienplayer verkauft.

Anschlüsse und Peripherie

Die PSP hatte für ihre Zeit eine reichhaltige Konnektivität. Eingebautes WLAN (802.11b) ermöglichte lokalen Multiplayer sowie die Verbindung ins Internet — in Japan bildete sich rund um Monster Hunter dadurch eine ganze gesellschaftliche Kultur des gemeinsamen Jagens. Einen Infrarotanschluss hatte nur das ursprüngliche Modell PSP-1000.

Die Medien wurden von einem eigenen optischen Format geladen, der UMD (Universal Media Disc) — kleinen Discs in einem Schutzgehäuse mit einer Kapazität von rund 1,8 GB. Neben Spielen veröffentlichte Sony darauf auch Filme, was sich jedoch als Sackgasse erwies. Daten und Spielstände wurden auf Memory Stick PRO Duo-Karten gespeichert. Die Konsole bot einen AV-Ausgang zum Anschluss an den Fernseher (beim Modell PSP-2000 und neuer auch Component- und Composite-Video).

Die PSP Go ohne UMD-Laufwerk
Die PSP Go ohne UMD-Laufwerk

Modelle und Revisionen

Die Sony PSP durchlief mehrere markante Redesigns:

  • PSP-1000 (2004) — das ursprüngliche „dicke“ Modell, robust, mit IR-Anschluss und 32 MB RAM.
  • PSP-2000 „Slim & Lite“ (2007) — deutlich dünner und leichter, 64 MB RAM, schnelleres Laden von UMD, Videoausgang und die Möglichkeit, über USB zu laden.
  • PSP-3000 (2008) — ein verbessertes Display mit besserer Farbwiedergabe und reduziertem Bewegungsunschärfe, ein eingebautes Mikrofon.
  • PSP Go (PSP-N1000) (2009) — ein radikaler Schritt: eine Schiebekonstruktion, kein UMD-Laufwerk, nur 16 GB interner Speicher und rein digitale Distribution über den PlayStation Store. Sie kam jedoch zu früh, in eine Zeit ohne schnelles und allgegenwärtiges Internet, und hatte kommerziell keinen Erfolg.
  • PSP-E1000 „Street“ (2011) — ein günstiges Modell ohne WLAN und mit einem Mono-Lautsprecher, bestimmt für einen sparsamen Einsatz in Europa.

Klone und Varianten

Echte Hardware-Klone der PSP existierten praktisch nicht — es handelte sich um ein geschlossenes, technisch anspruchsvolles System. Zwar tauchten billige asiatische „PSP-like“-Player auf, die das Design nachahmten, doch mit ihrer eigenen Spielebibliothek haben sie nichts zu tun. Zur wahren „Erweiterung“ der Plattform wurde die Homebrew-Szene: nachdem die Firmware geknackt war (Custom Firmware wie M33 und später die Pro-CFW-Reihe), wurde die PSP zum beliebten Werkzeug von Enthusiasten. Auf ihr liefen Emulatoren von Acht-Bit- und Sechzehn-Bit-Systemen, und es entstand eine riesige Gemeinschaft eigener Anwendungen — was die PSP zur Legende unter Bastlern machte, wenn auch gegen den Willen von Sony.

Das silberne Modell PSP-3000
Das silberne Modell PSP-3000

Die heutige Szene

Die PSP ist heute unter Emulationsfans sehr lebendig. Die Spitze ist PPSSPP — ein ausgereifter, quelloffener Emulator, der auf PC, Android, iOS sowie auf einer ganzen Reihe von tragbaren Retro-Konsolen läuft und die Auflösung erhöhen, Texturen glätten und das Laden über das Original hinaus beschleunigen kann.

Für das Retro-Gaming auf einer Handheld-Konsole ist die PSP eine dankbare, aber anspruchsvollere Plattform. 2D- und leichtere 3D-Titel laufen auf Chips der H700-Klasse hervorragend, während die schwersten 3D-Spiele wie God of War leistungsstärkere Hardware zu schätzen wissen — die RG46R meistert sie merklich besser als die RG35XX Pro. Die Größe der Spiele ist zudem im Vergleich zu älteren Systemen beträchtlich, sodass sich eine geräumige Speicherkarte lohnt. Wer aber wirklich „große“ Spiele in der Hosentasche tragen möchte, findet in der PSP-Bibliothek — von God of War über Metal Gear Solid: Peace Walker bis zu Patapon und LocoRoco — einen wahren Schatz.

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