Atari 800 / 8-bit – fotografieAtari · 1979

Computer

Atari 800 / 8-bit

Atari Jahr 1979 124 Spiele 14 mit Kommentar

Geschichte & Kontext

Als Atari 1979 die Modelle 400 und 800 vorstellte, legte es die Messlatte für Heimcomputer sehr hoch. Die Maschine, aufgebaut um ein Paar eigener Koprozessoren — den Videochip ANTIC und den Multimediachip GTIA/CTIA zusammen mit dem Soundchip POKEY — übertraf die Konkurrenz ihrer Zeit in Grafik und Sound und stand in den Spielqualitäten eine Klasse über den damaligen Konsolen, einschließlich des heimischen Atari 2600. An der Entwicklung beteiligten sich dabei Ingenieure um Jay Miner, der später den Amiga entwarf, sodass die Atari-8-Bit-Architektur in gewissem Sinne ein Vorbild dessen ist, wofür Computer ein paar Jahre später berühmt wurden.

Wesentlich ist, dass es sich nicht um eine Spielemaschine handelte, sondern um einen vollwertigen Computer mit Tastatur, programmierbar in BASIC, mit dem Laden von Software von Kassetten, Disketten und Cartridges. Die Bibliothek ist daher riesig und genrelich vielfältig — von Arcades über Strategien bis hin zu Textadventures. Die hauseigenen Titel sind das legendäre Star Raiders (ein Weltraumkampf aus dem Cockpit, für das Jahr 1979 verblüffend), die Wirtschaftsstrategie M.U.L.E. oder die Lucasfilm-Experimente mit fraktaler Landschaft Rescue on Fractalus! und The Eidolon.

Technik: Grafik und Sound

Das Herzstück der Maschine ist ein Trio von Chips. ANTIC ist im Grunde ein eigenständiger Grafikprozessor, der aus dem Speicher eine sogenannte Display-Liste liest — ein Programm, das beschreibt, wie sich der Bildschirm aus Zeilen verschiedener Grafikmodi zusammensetzen soll. Dadurch lassen sich Text- und Grafikmodi auf einem einzigen Bildschirm mischen und leicht ein flüssiges Hardware-Scrolling (feine pixelweise Verschiebung) sowie Interrupts auf einer bestimmten Zeile erzeugen.

Um die Farben kümmert sich GTIA (in den ersten Exemplaren noch CTIA) mit einer Palette von 128 Farben (GTIA kann 256). Die Standardauflösung reicht bis 320 × 192 Punkte; in niedriger Auflösung wird in mehr Farben gezeichnet, in hoher in geringerer Anzahl. GTIA bietet zudem Player/Missile Graphics — Hardware-Sprites (vier „Spieler" und vier „Geschosse") mit Kollisionserkennung, was für Spiele eine flüssige Bewegung der Figuren unabhängig vom Hintergrund bedeutete.

Der Soundchip POKEY bietet vier Kanäle Sound mit einstellbarer Frequenz, Lautstärke und Verzerrung (sie lassen sich zu zwei 16-Bit-Kanälen für sauberere Töne koppeln). POKEY dient aber nicht nur dem Sound — er bedient auch das Auslesen der Tastatur, der Joysticks (Paddle-Eingänge) und die serielle Kommunikation. Der Prozessor ist ein MOS 6502, getaktet mit etwa 1,79 MHz.

Anschlüsse und Peripherie

Atari setzte auf seinen eigenen seriellen Bus SIO (Serial Input/Output), an den die Peripherie in Reihe angeschlossen wurde: das Kassettenlaufwerk Atari 410, das Diskettenlaufwerk Atari 810 (und später 1050) sowie Drucker. Es war ein bahnbrechendes Konzept intelligenter Peripheriegeräte mit eigener Logik — ein entfernter Verwandter des heutigen USB.

Spiele und Joysticks nutzten die standardmäßigen 9-poligen Atari-Ports (kompatibel mit Commodore-Joysticks und anderen), die Modelle 400/800 hatten gleich vier Ports, sodass sie das Spiel für mehrere Spieler an einer Maschine ermöglichten (z. B. eben M.U.L.E.). Es waren Paddle-Controller verfügbar, später auch eine Maus (eine ST-Maus/Amiga-Maus lässt sich in der Verkabelung verwenden) und Modems für den Anschluss an die Telefonleitung. Das Bild wurde über einen RF-Modulator an den Fernseher ausgegeben, höhere Modelle und Varianten boten auch einen hochwertigeren Composite/AV-Ausgang.

Atari 400, ein 8-Bit-Computer von 1979
Atari 400, ein 8-Bit-Computer von 1979

Modelle und Revisionen

Die Familie durchlief mehrere Generationen. Nach den ursprünglichen 400 (Folientastatur, günstiger) und 800 (vollwertige Tastatur, erweiterbarer Speicher) kam Anfang der 80er Jahre die XL-Reihe — 1200XL, der populäre 600XL und 800XL — mit modernerem Design und eingebautem BASIC. Nach der Übernahme der Firma durch Jack Tramiel traf die sparsamere XE-Reihe ein: 65XE, 130XE (mit 128 KB RAM) und das spielerisch ausgerichtete XEGS (Atari XE Game System) von 1987, das als Konsole mit Tastatur verkauft wurde, hardwareseitig aber weiterhin dasselbe 8-Bit-Atari blieb. Über die Generationen hinweg blieb eine hohe Softwarekompatibilität erhalten.

Klone und Varianten

Anders als der ZX Spectrum, zu dem in der Tschechoslowakei der heimische Klon Didaktik entstand, wurde das Atari 8-Bit offiziell importiert und nur an wenigen Orten geklont. Umso stärker war jedoch die Nutzer- und Spieleszene im Ostblock, besonders in Polen und der Tschechoslowakei. Atari war hinter dem Eisernen Vorhang zugänglicher und beliebt, und um es herum wuchs eine ergebene Community, die bis heute schafft. Der polnische Puzzle-Klassiker Robbo wurde zur Legende, und die moderne Szene bringt am laufenden Band neue Titel hervor — der jährliche polnische Wettbewerb „Fujicup" bringt Dutzende frischer Spiele. Von den technischen Varianten sind die Sounderweiterung POKEY auf Stereo (zwei Chips) und die Speichererweiterungen erwähnenswert, die auf einer Reihe von XE/XL-Geräten unter Enthusiasten zum Standard wurden.

Die heutige Szene

Die Emulation ist heute problemlos — das Referenzprogramm Atari800 (und sein Kern in RetroArch) läuft auch auf kleinen Handheld-Konsolen mit voller Leistung. Für die Klassiker dienen umfangreiche Archive wie AtariMania, Neuheiten und die heimische Produktion sammelt die legendäre Website Fandal. Homebrew lebt: Neben den jährlichen Wettbewerben entstehen neue Demoszene-Produktionen und Spiele, die den erweiterten Speicher und moderne Flash-Cartridges nutzen. Für den Retro-Spieler ist das Atari 8-Bit somit ein Entdeckungsgebiet mit eigener Atmosphäre — und einer Szene, die uns geografisch und im Herzen nahe ist.

Spiele auf dieser Plattform (124)