Colonial Conquest
Colonial Conquest versetzt den Spieler in das neunzehnte Jahrhundert, als die europäischen Mächte weltweit um Kolonien rangen. Der Spieler wählt eine der Großmächte und versucht auf einer in Regionen unterteilten Karte durch eine Kombination aus Diplomatie, Handel und militärischer Stärke, seinen Einfluss auf Kosten von Rivalen und einheimischen Gebieten auszuweiten. Das rundenbasierte System erlaubt es, Flottenexpeditionen zu planen, Truppen anzulanden und Bündnisse zu schließen, wodurch das Spiel zu einem der ersten zugänglichen Titel wird, die den Aufbau eines Imperiums auf globaler Ebene simulieren. Der Spieler muss nicht nur militärische Stärke abwägen, sondern auch, ob die anderen Großmächte ihm überhaupt erlauben, seinen Einfluss ohne Widerstand auszudehnen.
Auf dem Atari 8-bit wird die Weltkarte als farbige Umrisse der Kontinente mit numerischen Anzeigen für Stärke und Besitz der einzelnen Gebiete dargestellt, was den damaligen Spielern erlaubte, den Stand einer Partie auch ohne detaillierte Grafik schnell zu erfassen. Die Klangkulisse bleibt schlicht, doch die übersichtliche Steuerung über Tastenkürzel und Menüs ließ die Aufmerksamkeit auf die strategischen Entscheidungen konzentriert. Das Spiel unterstützte auch das abwechselnde Spielen mehrerer Personen an einem Computer, was damals seine Attraktivität als gesellige Unterhaltung erhöhte und direkte Rivalität um umstrittene Gebiete zwischen menschlichen Spielern ermöglichte.
Im damaligen Kontext wurde Colonial Conquest als verständlicher Einstieg in das Genre der globalen Eroberungsstrategien geschätzt, deutlich weniger überfrachtend als knallharte Wargames mit Hexagon-Karten. Sein Konzept der Expansion über die Weltkarte hinweg mittels einfacher, aber durchdachter Mechaniken nahm spätere Zivilisationsstrategien vorweg, die weitaus bekannter wurden. Gerade die Kombination aus leicht verständlichen Regeln und echter strategischer Tiefe machte Partien zu einem spannenden Wettlauf um die vorteilhaftesten Kolonien, ohne dass der Spieler Dutzende Nebenparameter gleichzeitig bewältigen musste. Heute wird das Spiel vor allem Interessierte an der Genre-Geschichte ansprechen, die sehen wollen, wie die Idee des Imperienaufbaus aussah, bevor sie von den grafisch aufwendigen Titeln der Neunziger und späteren komplexen Zivilisationssimulationen übernommen wurde.
Warum spielen: Wer sehen möchte, wie die Idee des Imperienaufbaus vor der grafischen Pracht späterer Zivilisationsstrategien aussah, wird an Colonial Conquest die verständlichen Regeln mit echter strategischer Tiefe zu schätzen wissen.
Spiel 119 von 124 für Atari 800 / 8-bit