Deadline
Deadline gehörte zu den ersten Detektiv-Textadventures und unterschied sich grundlegend von Infocoms klassischen Fantasy-Abenteuern: Der Spieler wird zum Ermittler, der nur zwölf Stunden Spielzeit hat, um den rätselhaften Tod eines wohlhabenden Mannes aufzuklären, der an einer Medikamentenüberdosis starb. Die Verdächtigen im Haus leben nach ihrem eigenen Tagesablauf – sie gehen zu Verabredungen, sprechen miteinander, ändern je nach Uhrzeit ihren Standort – und der Spieler muss sie beobachten, verhören und mit Beweisen konfrontieren, bevor die Zeit abläuft. Diese Betonung der Simulation einer lebendigen Umgebung war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein völlig neuer Ansatz für das Genre, das bis dahin hauptsächlich auf Schätzesammeln und das Lösen von Fantasy-Rätseln setzte. Der Spieler kann eine Theorie jederzeit durch direkte Konfrontation mit einem Verdächtigen testen, muss dabei aber genügend Beweise zur Hand haben, sonst hält die Anklage nicht stand und die Ermittlung gerät ins Stocken.
Auf dem Atari 8-bit läuft das Spiel rein textbasiert, ohne Grafik, mithilfe des fortschrittlichen Infocom-Parsers, der komplexere Sätze und Befehle verarbeiten kann, einschließlich Gesprächen mit Figuren. Die Packung enthielt sogenannte Feelies – physische Dokumente wie Polizeiberichte, Tatortfotos oder ärztliche Gutachten, die die Geschichte ausschmückten und zugleich als Kopierschutz dienten. Die Spannung im Spiel beruht nicht auf Action, sondern auf dem aufmerksamen Verfolgen der verstreichenden Zeit und des Verhaltens der Figuren, was von den Spielern Disziplin, Geduld und oft auch eigene handschriftliche Notizen verlangte.
Deadline wird bis heute als wegweisender Titel geschätzt, der zeigte, dass Textadventures auch als vollwertige Detektivgeschichte mit eigener Logik, Spannung und glaubwürdigen Figuren funktionieren können. Seine Betonung der Simulation verstreichender Zeit und des eigenständigen Verhaltens der Figuren nahm spätere Spiele mit ähnlichen Mechaniken vorweg, und für Fans interaktiver Fiktion bleibt es eines der interessantesten und mutigsten Experimente der frühen Ära des Genres.
Warum spielen: Für Fans interaktiver Fiktion, die ein Textadventure erleben möchten, das als vollwertige Detektivgeschichte mit verstreichender Zeit und eigenständigem Verhalten der Figuren funktioniert, bleibt Deadline eines der mutigsten Experimente seiner Ära.
Spiel 114 von 124 für Atari 800 / 8-bit