Ultima I: The First Age of Darkness
Ultima I: The First Age of Darkness stand am Anfang einer der einflussreichsten Computer-Rollenspielserien überhaupt, und auf dem Atari 800/XL konnten Spieler dieselbe ungewöhnliche Genre-Mischung erleben wie Besitzer eines Apple II. Das Spiel kombiniert eine Vogelperspektive der Welt, in der sich die Figur über die weitläufige Karte des Kontinents Sosaria bewegt, mit Dungeons und Weltraum-Gefechten aus der Ich-Perspektive, wie in den damaligen Labyrinth-Simulatoren. Der Spieler erstellt zu Beginn eine Figur, indem er Rasse und Klasse wählt, verteilt Attribute und erfüllt anschließend eine Reihe von Aufgaben, sammelt Steine der Macht und sucht vier Prinzen, bevor er sich dem dunklen Zauberer Mondain stellt. Die Welt ist in mehrere Kontinente unterteilt, zwischen denen sich der Spieler mit Schiffen und später auch Teleportationstoren bewegt, und ein großer Teil des Spiels besteht aus freiem Umherziehen durch die Landschaft ohne feste Aufgabenreihenfolge.
In der Atari-Version zeigen sich die typischen Einschränkungen früher Heimcomputer: Die Grafik besteht aus einfachen farbigen Kacheln und Symbolen, Kämpfe laufen über Textmeldungen und Zahlen ab, Musik fehlt fast völlig, und die Atmosphäre wird eher durch Stille als durch musikalische Untermalung geprägt. Die Steuerung erfolgt über einbuchstabige, aus einem Menü gewählte Befehle, Kämpfe mit Monstern werden durch ein nüchternes Zahlensystem für Angriff und Verteidigung ohne jegliche Figurenanimation gelöst, und das Laden einzelner Bildschirme von Diskette war merklich langsam. Dennoch vermittelte das Spiel das Gefühl einer offenen Welt, Reisen zwischen Städten und sogar außerhalb des Planeten sowie die Freiheit, durch die Landschaft zu ziehen, was im Vergleich zu den damaligen linearen Textadventures und Arkadenspielen bahnbrechend war.
Heute wirkt Ultima I vor allem als historisches Artefakt, dessen Bedeutung in den Konventionen liegt, die es etablierte und auf denen Richard Garriott in späteren Serienteilen aufbaute – Charaktererstellung, die moralische Dimension der Geschichte, eine offene Welt zum Erkunden. Der Autor selbst bewertete seinen Erstversuch Jahre später als groben, unvollkommenen Grundstein, aus dem sich erst nach und nach ein ausgefeilteres Ultima entwickelte. Wer heute zu ihm zurückkehrt, wird vor allem seinen Ehrgeiz zu schätzen wissen, auch wenn Steuerung und Oberfläche einiges an Geduld erfordern.
Warum spielen: Wer sich für die Wurzeln des RPG-Genres interessiert und bereit ist, eine rohe, schwerfällige Steuerung zu akzeptieren, wird an Ultima I vor allem den Ehrgeiz und die Grundlagen schätzen, auf denen Richard Garriott die weiteren Teile aufbaute.
Spiel 109 von 124 für Atari 800 / 8-bit
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