Germany 1985
Germany 1985 simuliert einen hypothetischen Konflikt zwischen den Streitkräften der NATO und des Warschauer Pakts auf westdeutschem Gebiet Mitte der Achtzigerjahre. Das Spiel gehört zur Reihe der operativen Wargames, in denen der Spieler Divisionen und Regimenter auf einer in Gebiete oder Hexfelder unterteilten Karte befehligt, Vorstöße, Nachschub und die Zusammenziehung von Kräften plant, um die Front zu halten oder die Verteidigung des Gegners zu durchbrechen. Der Schwerpunkt liegt auf Logistik und dem Timing von Angriffen, was ein typisches Merkmal der damaligen moderneren Kriegssimulationen von SSI war, und der Spieler muss ständig die Stärke eines Angriffs gegen das Risiko überdehnter eigener Nachschublinien abwägen.
Auf dem Atari 8-bit arbeitet das Spiel mit einer Karte aus farbigen Einheitensymbolen und Geländeelementen, zwischen denen sich der Spieler mittels Tastaturbefehlen und Zahlenmenüs bewegt. Die Präsentation bleibt eher funktional als spektakulär, doch die übersichtliche Darstellung der Einheitenpositionen und des Schlachtverlaufs war für die Spieler wichtiger als grafische Details. Die Klangkulisse ist minimalistisch und beschränkt sich auf kurze Aktionsbestätigungen, was für das Genre der operativen Wargames üblich war und allen Raum für die Konzentration auf taktische Entscheidungen auf der Karte ließ.
Germany 1985 war Teil einer Reihe moderner Konfliktszenarien, mit denen SSI Spieler ansprach, die sich einen realistischeren Blick auf zeitgenössische Kriegsführung wünschten, als es die historischen Titel zum Zweiten Weltkrieg boten. Im damaligen Kontext war es ein Spiel für ein Publikum, das bereit war, Zeit in das Studium der Regeln und die Planung mehrerer Züge im Voraus zu investieren, was es von actionreicheren Titeln mit demselben Kriegsthema abhob. Die Atmosphäre wird zusätzlich durch das Bewusstsein geprägt, dass es sich um ein Szenario handelte, das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erschreckend aktuell war, sodass der Spieler über der Frontkarte das Gewicht von Entscheidungen mit realem historischem Unterton spürt. Heute ist es interessant als zeitgenössischer Blick auf die Ängste des Kalten Krieges, übertragen in Spielform, und als Beleg für die Tiefe, die Achtbit-Wargames auch ohne die grafische Pracht späterer Computersimulationen erreichen konnten.
Warum spielen: Wer bereit ist, Zeit in das Studium der Regeln und die Planung mehrerer Züge im Voraus zu investieren, wird an Germany 1985 den zeitgenössischen Blick auf die Ängste des Kalten Krieges mit realem historischem Unterton zu schätzen wissen.
Spiel 121 von 124 für Atari 800 / 8-bit