Atari 2600 – fotografieAtari · 1977

Spielkonsolen

Atari 2600

Atari Jahr 1977 69 Spiele 8 mit Kommentar

Geschichte & Kontext

Als das Video Computer System — erst später nach seiner Bestellnummer CX2600 in Atari 2600 umbenannt — im Jahr 1977 aus Ataris Fabriken rollte, ahnte kaum jemand, dass damit eine Ära begann, die über vierzig Jahre andauern sollte. Die Konsole war nicht die erste ihrer Art, aber sie war die erste, die die Idee auswechselbarer Module (Cartridges) kommerziell durchsetzte. Statt fest verdrahteter Spiele, wie sie Vorgänger vom Typ Magnavox Odyssey oder häusliche Pong-Geräte boten, konnte man nun für ein einziges Gerät beliebig viele Titel kaufen. Diese heute selbstverständliche Idee prägte die gesamte Branche für Jahrzehnte im Voraus.

Das Gerät verkaufte sich unglaublich lange — von 1977 bis 1992, als Atari die Produktion offiziell einstellte — und wurde für eine ganze Generation zum Synonym für das Wort „Videospiel". Spiele wie Pitfall!, River Raid oder Adventure (das das allererste „Easter Egg" der Geschichte enthielt — den versteckten Namen des Programmierers Warren Robinett) zeigten, was Kreativität selbst auf extrem knapper Hardware zu leisten vermag.

Technik: Grafik und Sound

Das Herz der Konsole ist der Acht-Bit-Prozessor MOS 6507, eine billigere und abgespeckte Variante des berühmten 6502, getaktet mit rund 1,19 MHz. Er hatte lediglich 128 Byte RAM — nicht Kilobyte, Byte — und die Module trugen anfangs typischerweise nur 2 oder 4 KB Code. Das ist der Grund, warum die Programmierung für den 2600 sprichwörtlich anspruchsvoll war.

Grafik und Sound besorgte der Chip TIA (Television Interface Adapter). Dieser hatte keinen klassischen Framebuffer; das Bild musste in Echtzeit „gezeichnet" werden, Zeile für Zeile, synchron mit der Bewegung des Elektronenstrahls im Fernseher. Diese Technik wurde „racing the beam" genannt — der Entwickler wetteiferte buchstäblich mit dem Strahl und der Code musste taktgenau sitzen. Der TIA konnte fünf bewegliche Objekte darstellen: zwei Spieler-Sprites (players), zwei Geschosse (missiles) und einen „Ball" (ball), dazu einen symmetrischen Hintergrund (playfield). Die Palette umfasste in der NTSC-Version 128 Farben, wenngleich auf einer einzelnen Zeile ohne Tricks nur begrenzt viele einsetzbar waren.

Den Sound lieferten zwei unabhängige Kanäle im TIA mit einer groben, charakteristisch „brummenden" Stimmung — saubere Musik war auf ihnen nahezu unmöglich, aber für Arcade-Effekte reichten sie. Dass auf einer derart minimalistischen Grundlage spielbare und bis heute bewunderte Spiele entstanden, ist ein kleines technisches Wunder.

Anschlüsse und Peripherie

Der Standardcontroller war ein einfacher digitaler Joystick mit einem einzigen Knopf (der berühmte schwarze CX40). Die Konsole hatte zwei Anschlüsse, sodass man zu zweit spielen konnte. Neben dem Joystick bot Atari auch Paddles (Drehregler) an — zwei in jedem Stecker, also bis zu vier Spieler — ideal für Kaboom! oder Breakout, sowie einen numerischen Keypad-Controller für Lern- und Quiztitel.

Die Ausgabe erfolgte über einen RF-Modulator in den Antenneneingang des Fernsehers, mit einem Kanalschalter 2/3 und einer Wahl Farbe/Schwarzweiß. Die Schalter an der Vorderseite der Konsole stellten außerdem die Schwierigkeit für den linken und den rechten Spieler ein. Eine echte Rarität war die Peripherie Starpath Supercharger — ein Gerät, das Spiele von einer gewöhnlichen Audiokassette in die Konsole lud und zusätzlich RAM hinzufügte, was reichhaltigere Titel ermöglichte.

Modelle und Revisionen

Das ursprüngliche Modell von 1977, genannt „Heavy Sixer", hatte sechs Schalter und eine robuste Konstruktion mit einer Front aus Holz. Bald löste es eine leichtere Version ab (der „Light Sixer") und später Vier-Schalter-Varianten, bei denen die zwei Schwierigkeitsschalter nach hinten verlegt wurden. Im Jahr 1980 kam ein Modell mit voller Holzimitation, das anschließend durch eine komplett schwarze Ausführung ersetzt wurde.

Im Jahr 1982 stellte Atari den verkleinerten und verbilligten Atari 2600 Jr. mit flachem Kunststoffdesign und Regenbogenstreifen vor. Es gab auch den kuriosen Atari 5200 (1982) als technisch leistungsfähigeren, aber inkompatiblen Weggefährten und später den rückwärtskompatiblen Nachfolger Atari 7800 (1986), der die meisten 2600-Module abspielen konnte. Der 7800 kam zu spät, verschwand im Schatten des NES, obwohl er hardwareseitig leistungsfähiger war.

Klone und Varianten

Angesichts der langen Lebensdauer und Beliebtheit entstand eine Reihe inoffizieller Klone. Bis heute werden billige asiatische „Retro"-Versionen in Gestalt eines Joysticks mit integrierten Spielen hergestellt. Im Ostblock wurde der 2600 nicht offiziell verbreitet, aber es tauchten Klone wie das Rambo TV Game und weitere taiwanesische Varianten auf. Unter Sammlern geschätzt ist auch eine Reihe lizenzierter Versionen, die unter anderen Marken verkauft wurden (zum Beispiel Sears Tele-Games in den Vereinigten Staaten, wo Sears die Konsole unter eigenem Namen vertrieb). In Brasilien lebte der Atari 2600 dank der Firma Polyvox noch lange weiter, nachdem er im Westen aus der Mode gekommen war.

Die heutige Szene

Der Atari 2600 wird von Emulatoren hervorragend unterstützt — der bekannteste ist Stella, ein offener und sehr genauer Emulator, der praktisch überall läuft. Bemerkenswert lebendig ist auch die Homebrew-Szene: Enthusiasten veröffentlichen bis heute neue Module, etwa Halo 2600 von Ed Fries (dem ehemaligen Chef von Microsoft Games) oder den Actiontitel Draconian. Die Leute haben nach wie vor Freude daran, diese „unmögliche" Maschine zu bändigen — und für Retrospieler ist der 2600 eher ein faszinierender Ausflug in die Frühzeit der Videospiele als eine Quelle langer Spielabende. Doch den Zauber der Anfänge kann ihm niemand nehmen.

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