Xbox Series X|S – fotografieMicrosoft · 2020

Spielkonsolen

Xbox Series X|S

Microsoft Jahr 2020 164 Spiele

Geschichte & Kontext

Als Microsoft im November 2020 die neue Xbox-Generation auf den Markt brachte, machte es fast alles anders als sieben Jahre zuvor. Keine große Präsentation der Wohnzimmerzukunft, keine Sprachsteuerung für den Fernseher, kein Kinect in jeder Box. Stattdessen ein ruhiger, sachlicher Start mitten in der Pandemie — und vor allem gleich zwei Konsolen. Die leistungsstarke Xbox Series X in Form eines schwarzen Monolithen, der an einen kleinen Kühlschrank erinnert, und daneben die schlanke weiße Xbox Series S, ein digitales Modell ohne Laufwerk, das die neue Generation auch denen zugänglich machen sollte, für die der Preis des Flaggschiffs zu hoch war.

Die Aufteilung des Angebots auf zwei unterschiedlich leistungsstarke Geräte war in der Konsolenwelt ungewöhnlich und sorgt bis heute für Debatten. Die Series S ist merklich schwächer und zielt eher auf das Spielen in einer Auflösung um 1440p als auf echtes 4K, teilt sich mit ihrem größeren Geschwister aber dieselbe Architektur, dieselbe Oberfläche und dieselbe Spielebibliothek. Für Microsoft war das ein logischer Schritt: Wenn der Schwerpunkt der Strategie das Abonnement ist und nicht die Box, dann gilt — je günstiger die Eintrittskarte ins Ökosystem, desto besser.

Genau darin liegt der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Generation. Während die konkurrierende PlayStation 5 ihre Identität auf großen Exklusivtiteln aufbaute, setzte Microsoft auf den Xbox Game Pass — eine Abo-Bibliothek, in die die eigenen Titel gleich am Erscheinungstag wandern. Das Startangebot an Spielen entsprach dem: keine große Systemexklusivität, dafür sofortiger Zugriff auf Hunderte Spiele aus allen vorherigen Xbox-Generationen.

Technik: Grafik und Sound

Beide Konsolen werden von einer maßgeschneiderten APU von AMD angetrieben, die einen achtkernigen Prozessorkern der Architektur Zen 2 mit einer auf RDNA 2 basierenden Grafik kombiniert. Diese brachte erstmals in Microsoft-Konsolen hardwarebeschleunigtes Raytracing — also realistische Strahlenverfolgung für Reflexionen, Schatten und Beleuchtung — sowie Techniken wie Variable Rate Shading oder Mesh Shading.

Der Unterschied zwischen den Modellen liegt vor allem bei Grafikleistung und Speicher. Die Series X verfügt über eine deutlich breitere GPU, 16 GB GDDR6-Speicher und zielt auf 4K bei 60 Bildern pro Sekunde, mit Unterstützung für bis zu 120 Hz bei Titeln, die das leisten. Die Series S hat einen kleineren Grafikchip und weniger Speicher, weshalb Entwickler für sie meist die Auflösung, die Qualität der Reflexionen oder die Detaildichte reduzieren. Klanglich setzen beide Konsolen auf räumlichen Sound — sie unterstützen Dolby Atmos, DTS:X und Windows Sonic und verfügen über Hardware-Unterstützung für die Verarbeitung von Klangeffekten, was sich vor allem bei Kopfhörern bemerkbar macht.

Geschwindigkeit: SSD, Quick Resume und Abwärtskompatibilität

Den größten praktischen Sprung der Generation brachte nicht die Grafik, sondern der Speicher. Eine eigene NVMe-SSD in Kombination mit einem Technologiepaket, das Microsoft Xbox Velocity Architecture nennt, machte lange Ladebildschirme praktisch überflüssig und ließ Spiele Daten laufend von der Festplatte streamen, statt die gesamte Umgebung im Speicher zu halten.

Daraus entstand auch die beliebteste Funktion der gesamten Generation — Quick Resume. Die Konsole kann mehrere angefangene Spiele eingefroren im Ruhezustand halten und innerhalb weniger Sekunden zwischen ihnen wechseln, sogar über einen Neustart der Konsole hinweg. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, gibt es nur ungern wieder auf.

Ebenso wichtig ist die Abwärtskompatibilität, die Microsoft dort fortsetzte, wo es bei der Xbox One aufgehört hatte. Series X und S spielen Xbox-One-Titel, einen großen Teil der Xbox-360-Bibliothek und sogar Spiele der ursprünglichen Xbox — oft in höherer Auflösung, mit stabilerer Bildrate und automatisch berechnetem HDR dank der Funktion Auto HDR. Die Funktion FPS Boost kann bei ausgewählten älteren Spielen die Bildrate verdoppeln, Smart Delivery wiederum sorgt dafür, dass ein gekauftes Spiel automatisch die beste verfügbare Version für das jeweilige Modell herunterlädt.

Game Pass statt Exklusivtitel

Microsofts Strategie wurde im Laufe der Generation deutlich klarer: den Dienst verkaufen, nicht die Box. Game Pass erweiterte sich auf den PC und in die Cloud, wo man über Browser, Fernseher oder Handy spielen kann, und Microsoft untermauerte das mit umfangreichen Studio-Übernahmen — am auffälligsten ZeniMax Media (Muttergesellschaft von Bethesda) und später Activision Blizzard.

Unter den Spielen, die die Generation prägten, werden am häufigsten Forza Horizon 5, Halo Infinite, Microsoft Flight Simulator, Starfield oder das laufend erweiterte Sea of Thieves genannt. Zugleich gab Microsoft nach und nach die Vorstellung auf, dass Spiele ausschließlich auf seiner Hardware bleiben müssten, und begann, einen Teil der Titel auch auf konkurrierenden Plattformen zu veröffentlichen — ein Schritt, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Modelle und Revisionen (Series X, Series S)

Zu dem ursprünglichen Paar vom November 2020 gesellten sich nach und nach Varianten, die eher kosmetischer als technischer Natur waren. Die Series S bekam eine Version mit 1 TB Speicher in Schwarz, bei der Series X kam eine rein digitale weiße Variante ohne Laufwerk sowie limitierte Editionen mit größerer Festplatte hinzu. Die interne Leistung blieb über alle Revisionen hinweg gleich, was im Vergleich zu früheren Generationen einen wesentlichen Unterschied darstellt — eine „Pro"-Version mitten im Zyklus kam nicht.

Den Speicher lässt sich nur mit einer proprietären Erweiterungskarte erweitern, die an der Rückseite der Konsole eingesteckt wird; eine gewöhnliche externe USB-Festplatte dient nur zur Archivierung und zum Spielen älterer Titel. Der Controller blieb der bewährten Form der Xbox One treu, hinzu kamen eine Freigabe-Taste, ein feineres Steuerkreuz und ein USB-C-Anschluss.

Bedeutung und Vermächtnis

Die Xbox Series X|S ist noch die aktuelle Generation, weshalb sich ihr Platz in der Geschichte erst noch festigt — wir führen sie in der Plattformübersicht vor allem der Vollständigkeit halber auf. Den Verkaufskampf gegen die PlayStation 5 hat Microsoft allem Anschein nach erneut nicht gewonnen, doch das war offenbar ohnehin nicht das Hauptziel. Stattdessen entstand eine Plattform, die dank Abwärtskompatibilität als einer der besten legalen Wege gilt, um heute ältere Titel aus der gesamten Geschichte der Marke zu spielen.

Für das Retro-Gaming hat die Series X|S noch eine interessante Eigenschaft: Nach dem Umschalten in den Entwicklermodus lassen sich auf ihr auch Emulatoren wie RetroArch betreiben, wodurch die Konsole zu einer überraschend fähigen Maschine für Acht- und Sechzehn-Bit-Klassiker wird. Wer aber nur Spiele aus der Ära der Xbox 360 und der ursprünglichen Xbox spielen möchte, kommt auch ohne das aus — ein digitaler Store, Game Pass und eine alte Disc-Kopie in der Schublade genügen völlig.

Spiele auf dieser Plattform (164)