SEGA Master System – fotografieSEGA · 1985

Spielkonsolen

SEGA Master System

SEGA Jahr 1985 67 Spiele 10 mit Kommentar

Geschichte & Kontext

Das SEGA Master System ist ein etwas vergessener Held der Acht-Bit-Ära. Als SEGA es 1985 in Japan (als Sega Mark III, später umbenannt) und ein Jahr später in den USA einführte, stellte es die Maschine direkt gegen Nintendo und dessen NES. Den Kampf um den nordamerikanischen und japanischen Markt verlor es auf ganzer Linie — Nintendo hatte sich mit harten Lizenzverträgen die meisten Drittentwickler gesichert, und so war das Master System eine technisch ordentliche Konsole, aber mit leeren Software-Regalen.

Doch dann sind da Europa und Brasilien. Hier dreht sich die Geschichte um. Auf dem alten Kontinent, wo Nintendo bei Weitem keinen solchen Vorsprung hatte, setzte sich das Master System deutlich durch und wurde für eine ganze Generation von Spielern zur ersten Konsole. Und in Brasilien, wo die Firma Tectoy den Vertrieb übernahm, lebte die Plattform unglaublich lange — neue Spiele, Varianten und Redesigns erschienen dort noch tief im neuen Jahrtausend. Für Retro-Gamer ist das Master System eine sympathische Entdeckung: Es wirkt wie „ein besseres NES, an das sich niemand erinnert hat“.

Sega Master System s původním ovladačem
Sega Master System mit dem originalen Controller

Technik: Grafik und Sound

Herzstück der Konsole ist der Acht-Bit-Prozessor Zilog Z80, der mit etwa 3,58 MHz läuft — dieselbe Familie, die Besitzer des ZX Spectrum oder MSX kennen. Um die Grafik kümmert sich der vom Texas Instruments TMS9918 abgeleitete Videochip VDP, den SEGA deutlich verbessert hat. Das Ergebnis ist eine Auflösung von 256×192 Punkten und eine Palette von 64 Farben, von denen bis zu 32 gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellt werden können (zwei Paletten zu je sechzehn). Gegenüber dem NES, das mit einer merklich ärmeren und oft „schmutzigen“ Farbgebung auskam, war das ein spürbarer Schritt nach vorn — Spiele auf dem Master System sehen satter und sauberer aus.

Die Hardware bewältigte bis zu 64 Sprites mit flüssigem Hintergrund-Scrolling, was die Ports von SEGAs Arcade-Titeln zu schätzen wussten. Die Schwachstelle war dagegen der Sound: Der einfache Chip SN76489 (PSG) bietet drei Tonkanäle und einen Rauschkanal. Er ist funktional, aber im Vergleich zur Konkurrenz eher ein Piepen. Die japanische Version und japanische Module sahen zusätzlich eine Erweiterung um den Chip Yamaha YM2413 (FM-Synthese) vor, sodass ein auf einem japanischen Master System gestarteter Titel eine Klasse reicher klang als dasselbe Spiel auf einer europäischen Konsole.

Anschlüsse und Peripherie

Das Master System hatte für seine Zeit vielfältiges Zubehör. Am bekanntesten ist der Light Phaser — eine Lichtpistole für Shooter wie Safari Hunt oder Rambo III. Der Höhepunkt waren jedoch die SegaScope 3-D Glasses, eine aktive Shutterbrille für stereoskopisches 3D bei einer Handvoll Titel (Zaxxon 3-D, Maze Hunter 3-D). Mitte der Achtziger war das ein bemerkenswert mutiges Experiment.

Eine interessante Lösung war das duale Medienformat: Neben klassischen Modulen las die Konsole auch dünne Sega Cards (My Card) für günstigere, kleinere Spiele. Standard waren zwei Controller-Ports, eine separate Pause-Taste direkt an der Konsole und beim ersten Modell auch ein im Speicher eingebautes Spiel. Das Bild wurde über RF oder Composite-AV angeschlossen.

Japonská Sega Mark III z roku 1985
Die japanische Sega Mark III von 1985

Modelle und Revisionen

Das ursprüngliche Master System (1986) war ein voluminöser schwarzer Kasten mit Bedientasten und einem Kartenslot. 1990 kam das Master System II — ein günstigeres und kleineres Redesign, das den Kartenslot, die Reset-Taste und den Anschluss für die 3D-Brille wegließ und statt Snail Maze meist ein eingebautes Acht-Bit-Alex Kidd in Miracle World hatte (in manchen Regionen Sonic). Die japanische Basis bildete die Sega Mark III mit der Option einer FM-Sound-Einheit.

In Brasilien entstand unter der Marke Tectoy eine unerschöpfliche Reihe eigener Varianten — von tragbaren Versionen bis zu Modellen mit Hunderten vorinstallierter Spiele, herausgegeben noch lange, nachdem die Plattform anderswo auf der Welt längst tot war.

Kapesní Sega Game Gear z roku 1990
Der Taschen-Sega-Game-Gear von 1990

Klone und Varianten

Das Master System teilt den überwiegenden Teil seiner Hardware und Bibliothek mit dem Handheld Game Gear — der im Grunde ein tragbares Master System mit beleuchtetem Display ist, sodass beide Plattformen heute praktisch zusammen emuliert werden. Brasiliens Tectoy stellte zudem lizenzierte Klone her und setzte die lokale Entwicklung fort.

Für tschechische und tschechoslowakische Spieler ist es fair zuzugeben, dass das Master System hier nicht so verbreitet war wie das bei uns dominierende ZX Spectrum und dessen Klon Didaktik, noch wie die späteren Famiclones vom Typ Pegasus auf NES-Basis. Dennoch setzte es sich in Europa allgemein viel sichtbarer durch als in den USA, sodass die nostalgische Erinnerung an es hier stärker ist als jenseits des Ozeans.

Die heutige Szene

Die Emulation des Master System ist heute trivial — praktisch jedes Gerät schafft sie, einschließlich billiger chinesischer Handhelds. Die Bibliothek hat ihre Perlen: das wegweisende RPG Phantasy Star mit 3D-Dungeons, die hervorragende Wonder Boy-Serie (besonders The Dragon's Trap), die Acht-Bit-Sonic-Linie und SEGAs ursprünglichen Maskottchen Alex Kidd. Viele weitere Titel waren Arcade-Ports wie Shinobi, Space Harrier oder Fantasy Zone.

Die Plattform lebt zudem noch auf der kreativen Seite: Es erscheint moderne Homebrew, etwa der Plattformer Devwill Too, und das nicht selten sogar physisch auf neuen Modulen. Das Master System bleibt damit die ideale Wahl für jeden, der die NES-Klassiker hinter sich hat und die Acht-Bit-Ära aus einem anderen, satter gefärbten Blickwinkel kennenlernen möchte.

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