California Games
Ein sonniger Strand, der Duft von Neopren und Musik, die wie aus einer Limonadenwerbung zu stammen scheint - California Games teleportiert einen sofort in das sorglose Kalifornien der Achtziger, wo man nicht um Medaillen kämpft, sondern um pure Gelassenheit. Anders als karge Olympia-Simulationen versucht dieser Sport-Mix nicht, ernst zu sein. Statt eines Hundertmeterlaufs springt man hier auf einem BMX-Rad, balanciert auf dem Surfbrett, kickt einen Hacky Sack und wirft eine Frisbeescheibe. Und genau in dieser Unbeschwertheit liegt sein Zauber.
Das Spiel ist eine Sammlung mehrerer Minispiele, von denen jedes seine eigene Steuerung und seinen eigenen Rhythmus hat. Surfen verlangt Gespür für die Welle und das Timing der Tricks, Skateboarding auf der Rampe belohnt gewagte Sprünge, Footbag (Hacky Sack) dreht sich um Reflexe und Koordination, und die BMX-Strecke prüft, wie weit man bei Sprüngen über Hindernisse zu riskieren bereit ist. Die Frisbee-Disziplin wiederum baut auf dem Zusammenspiel zweier Spieler auf, gegebenenfalls von Spieler und Computer. Alles hält eine entspannte, sonnige Atmosphäre zusammen, die das Spiel zum idealen Titel für das Weiterreichen eines einzigen Controllers macht.
California Games entstand im Studio Epyx, das sich seinen Namen gerade mit Multisport-Spielserien wie Summer Games und Winter Games gemacht hatte. Diesmal verließ das Team jedoch bewusst den olympischen Ernst und setzte auf den Lebensstil, der Mitte der Achtziger angesagt war - Skaten, Surfen und die ganze „totally rad“-Kultur des küstennahen Kalifornien. Der Titel erschien ursprünglich auf Heimcomputern und verbreitete sich dank seines enormen Erfolgs nach und nach auf eine ganze Reihe von Plattformen.
Die Version für das SEGA Master System gehört zu den späteren Konsolenportierungen und zeigt, wie gut sich das Konzept auch auf Achtbit-Hardware übertragen ließ. Die Farbpalette des Master System half, die hellen, sonnendurchfluteten Umgebungen zu unterstreichen, die untrennbar zu diesem Spiel gehören. Für viele Spieler, die die ursprüngliche Computerausgabe nicht kannten, wurde gerade die Konsolenform zur „richtigen“ Version von California Games.
Kulturell ist es einer der Titel, die das ganze Genre der unverbindlichen „Lifestyle“-Sportspiele prägten. Sie waren Vorboten der späteren Welle von Skateboard- und Extremsport-Titeln, die erst ein Jahrzehnt später ihren Höhepunkt erreichte. California Games wurde zum Synonym für den digitalen Sommer - ein Spiel, an das man sich eher nach der Stimmung als nach dem erreichten Punktestand erinnert.
Warum spielen: Für sonnendurchflutete Gelassenheit und den Wechsel zwischen mehreren flotten Disziplinen, die sich am besten in Gesellschaft von Freunden genießen lassen.
Spiel 34 von 67 für SEGA Master System
Derselbe Titel woanders (4)
Das Original entstand auf dem Commodore 64, wo es dank des legendären SID-Soundchips die reichhaltigste, vollste Musik aller Fassungen bot. Die tragbare Atari-Lynx-Version, eines der Startspiele der Konsole, lief auf einem hintergrundbeleuchteten Farbdisplay, musste aber wegen des begrenzten Modulspeichers Anzahl und Umfang der Disziplinen gegenüber dem Computer-Original kürzen. Die Fassung für das Sega Master System wiederum musste bei Farbtiefe und Animationsflüssigkeit gegenüber dem 8-Bit-Heimcomputer Abstriche machen, auch der Klang ist merklich einfacher. Wer die klanglich beste Version sucht, greift zum C64; wer unterwegs spielen möchte, schätzt den Lynx.