SEGA SG-1000 – fotografieSEGA · 1983

Spielkonsolen

SEGA SG-1000

SEGA Jahr 1983 13 Spiele

Geschichte & Kontext

SEGA SG-1000 ist eine Konsole, die heute kaum jemand kennt, und dennoch gäbe es ohne sie weder das Master System noch das Mega Drive. Sie war Segas allererste Heimkonsole — einer Firma, die bis dahin von Arcade-Automaten und dem Bau von Spielschränken für japanische Spielhallen lebte. Vorgestellt wurde sie 1983, und das Schicksal bereitete ihr wohl den undankbarsten denkbaren Start: Sie kam am selben Tag wie das Nintendo Famicom auf den Markt. Zwei Konsolen, ein Datum, und ein völlig unterschiedlicher Fortgang der Geschichte.

In Japan schlug sich das SG-1000 gar nicht schlecht. Das Interesse am Heimspielen wuchs damals sprunghaft, Sega hatte den Ruf einer Arcade-Marke im Rücken und übertrug Titel auf die Konsole, die die Leute aus den Spielhallen kannten. Doch das Famicom war technisch weiter, hatte stärkere Unterstützung der Publisher, und der Unterschied verwandelte sich innerhalb von ein, zwei Jahren in einen Abgrund. Im Westen wurde das SG-1000 praktisch nicht verkauft — nach Europa und Amerika gelangte es nur am Rande, in manchen Ländern überhaupt nicht.

Für den heutigen Retro-Spieler ist das eher eine Plattform zum Entdecken als zum Nostalgisieren. Sie bietet eine rohe, frühe Form des Achtbit-Spielens: kurze Arcade-Häppchen, harte Schwierigkeit und grobkörnige Grafik ohne Schnörkel. Und vor allem zeigt sie, woraus die gesamte Segasche Achtbit-Linie erwuchs, die einige Jahre später im Master System gipfelte.

Technik: Grafik und Sound

Die Grundlage bildet der Achtbit-Prozessor Zilog Z80, getaktet auf etwa 3,58 MHz — dieselbe Familie, die Besitzer des ZX Spectrum, MSX oder Master System kennen. Für das Bild sorgt der Videochip Texas Instruments TMS9918 (beziehungsweise seine Variante TMS9918A), also eine völlig standardmäßige Lösung ihrer Zeit. Er bewältigt eine Auflösung von 256×192 Punkten, eine Palette von 16 Farben und rund drei Dutzend Sprites, allerdings mit einer harten Grenze für die Anzahl der Sprites pro Zeile — daher stammt das typische Flackern der Figuren, das für diese Generation charakteristisch ist.

Genau die Wahl des TMS9918 ist der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Plattform. Denselben Chip trieb nämlich auch MSX und ColecoVision an, sodass Spiele auf diesen drei Systemen sehr ähnlich aussahen und ihre Umsetzungen zwischen den Plattformen recht einfach waren. Eine ganze Reihe von Titeln existiert deshalb in nahezu identischen Fassungen auf mehreren Systemen zugleich. Für den Sound sorgt der SN76489 (PSG) mit drei Tonkanälen und einem Rauschkanal — keine Synthese, keine Samples, nur das typische Achtbit-Piepen, das aber in Arcade-Umsetzungen überraschend gut funktioniert.

Speicher gab es nur minimal, daher sind die Spiele naturgemäß kurz und schleifenartig aufgebaut: ein Bildschirm, eine Idee, steigende Schwierigkeit.

Anschlüsse und Peripherie

Die Konsole wurde klassisch über einen HF-Modulator an den Fernseher angeschlossen, bei späteren Versionen und Varianten kamen bessere Ausgänge hinzu. Am Gehäuse befand sich eine Pause-Taste, denn die Pause übernahm damals noch nicht der Controller. Beim ersten Modell war der Controller fest per Kabel angeschlossen, was eine praktische Schwachstelle war — ein beschädigter Joystick bedeutete ein Problem für die ganze Konsole.

Interessanter ist das Zubehör, das aus dem SG-1000 mehr als nur ein Spielzeug machte. Es gab eine Tastatur, nach deren Anschluss die Konsole zu einem einfachen Heimcomputer wurde, der mit BASIC arbeiten konnte — Sega bot nämlich parallel die Computer-Variante SC-3000 an, aufgebaut auf derselben Hardware. Verfügbar waren außerdem die Sega My Card, ein dünnes Kartenmedium, günstiger als klassische Module, das über einen Adapter namens Card Catcher an die Konsole angeschlossen wurde. Dieses doppelte Datenträgerformat übertrug Sega später auch auf das Master System.

Modelle und Revisionen

Das ursprüngliche SG-1000 von 1983 war eine kantige, weiß-schwarze Box mit fest angeschlossenem Joystick. Es folgte die Revision SG-1000 II, die das Design vereinfachte, aufräumte und vor allem abnehmbare Controller brachte — in der Praxis ein entscheidender Fortschritt bei der Bedienbarkeit. Softwareseitig blieb sie voll kompatibel, sodass sich beide Generationen von Spielern dieselbe Bibliothek teilten.

Die Entwicklungslinie endete damit aber nicht. An das SG-1000 II schloss sich das Sega Mark III an, das die Hardware deutlich verbesserte, und daraus wurde dann das Master System für die westlichen Märkte. Genau deshalb ist das SG-1000 in technischer Hinsicht der direkte Vorfahre des Master System: Es teilt mit ihm den Prozessor, die Philosophie und einen Teil des Medien-Ökosystems, nur mit einem deutlich schwächeren Grafikchip.

Klone und Varianten

Rund um das SG-1000 entstand eine kleine, aber interessante Familie verwandter Geräte. Am wichtigsten ist das bereits erwähnte SC-3000, ein vollwertiger Heimcomputer mit Tastatur auf derselben Basis — dieser verkaufte sich sogar in Ländern, in denen die Konsole selbst praktisch nicht existierte, und baute sich in manchen Regionen eine ordentliche Nutzerbasis auf. Es tauchten außerdem lizenzierte Varianten und Geräte anderer Hersteller auf, die dank des gemeinsamen TMS9918-Chips Module mehrerer Systeme zugleich starten konnten.

Für den tschechischen Spieler ist diese Plattform eine zeitgenössische Exotik: In einer Zeit, in der man hierzulande vor allem auf dem ZX Spectrum und seinem Klon Didaktik spielte, gelangte das SG-1000 praktisch nicht in unsere Haushalte. Es taucht hier erst im Nachhinein auf, über Emulation und das Interesse an Segas Geschichte.

Die Szene heute

Heute ist das SG-1000 vor allem historisch interessant — als der Punkt, an dem Sega in das Heimkonsolengeschäft einstieg. Seine Bibliothek umfasst Arcade-Umsetzungen und einfache Actionspiele, unter denen man Namen wie Congo Bongo, Flicky, Zaxxon, Monaco GP oder Star Jacker findet. Die Sammlung ist nicht groß und schwankt qualitativ recht stark, dafür lässt sie sich umso leichter komplett durchspielen.

Die Emulation verläuft völlig problemlos. Der verbreitetste Weg ist der Kern Genesis Plus GX, der neben dem Mega Drive auch das Master System, Game Gear und eben das SG-1000 bewältigt — sodass die gesamte Segasche Achtbit-Linie unter einem Dach läuft. In RetroArch wie auch in fertigen Distributionen wie Batocera hat die Plattform einen eigenen Systemordner und läuft sogar auf den billigsten chinesischen Handhelds, deren Leistung dabei überhaupt nicht ausgereizt wird. Der legale Weg zu den Spielen führt über offizielle Kompilationen und Neuauflagen, in die Sega laufend einen Teil seines alten Katalogs einbindet, oder über originale Module selbst — sammlerisch ist das allerdings keine günstige Angelegenheit, gerade wegen der begrenzten Verbreitung außerhalb Japans.

Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie die ganz frühen Anfänge der Konsolen-Sega aussahen, findet hier ideales Material: ein paar Abende, Dutzende kurzer Spiele und einen recht anschaulichen Blick darauf, wie schnell sich die Achtbit-Ära vorwärtsbewegte.

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