Doom
Doom war für den 32X-Aufsatz genau das, was ein Aushängeschild für jede neue Plattform sein sollte: der Beweis, dass sie etwas leisten konnte, das die Konkurrenz im Wohnzimmer nicht schaffte. In der Rolle eines einsamen Marines kämpft sich der Spieler durch Basen auf den Marsmonden, die nach einem gescheiterten Experiment von dämonischen Kreaturen überflutet wurden. Der Fortschritt ist rein arkadenhaft schnell: Man sucht farbige Schlüsselkarten, öffnet damit verriegelte Bereiche, drückt gegen Wände, die geheime Kammern verbergen könnten, und sammelt ein Arsenal von der Pistole über Schrotflinte und Kettensäge bis zur Plasmawaffe. Gegner bewegen sich entlang ihrer eigenen Achse, sodass der Kampf zu einem Tanz um Säulen und einem Rückzug in weitere Räume wird, wo sich Gegner gegeneinander aufbringen und sich gegenseitig niedermetzeln lassen. Das vertikale Zielen übernimmt das Spiel selbst, sodass die gesamte Aufmerksamkeit dem Ausweichen und dem ständigen Nicht-Stillstehen gilt.
Technisch baut die Umsetzung genau auf dem auf, was der 32X hinzufügte — ein Paar leistungsstarker Prozessoren zusätzlich zum Mega Drive. Das Bild läuft in einem kleineren, von einem Rahmen mit Waffe und Statusanzeigen umgebenen Fenster, was Leistung spart und das Tempo spürbar flüssiger hält als bei den damaligen Heimumsetzungen auf schwächerer Hardware. Für die Geschwindigkeit wird jedoch bezahlt: Ein Teil der Level und Gegner passte nicht auf das Modul, die Texturen sind gröber, und die Musik erklingt über den Soundchip des Mega Drive in FM-Form, also roher als auf dem PC. Die Atmosphäre leidet darunter aber nicht, eher im Gegenteil: dunkle Gänge, metallisches Kreischen und das Brüllen, das ertönt, sobald ein Monster einen erblickt, funktionieren auch in dieser vereinfachten Form.
Damals war dies eines der Hauptargumente für den Kauf des Aufsatzes und zugleich Anlass für Kontroversen, da der Vergleich mit dem Computeroriginal gnadenlos ausfiel. Für das Genre der Ego-Shooter bedeutete es dennoch einen wichtigen Schritt: Es zeigte, dass das Konsolenpublikum für diese Art von Spiel bereit war. Heute ist die 32X-Version vor allem eine technische Kuriosität und ein angenehmer, schneller Doom für ein paar Abende — sie spielt sich noch immer hervorragend, man sollte nur wissen, dass es sich um einen gekürzten Schnitt eines großen Klassikers handelt.
Spiel 1 von 15 für SEGA 32X
Derselbe Titel woanders (2)
Die PC/DOS-Fassung ist das Original und gilt bis heute als die maßgebliche Version — sie lief in höherer Auflösung, unterstützte Maus und Tastatur und bot Musik über Soundkarten wie die Sound Blaster oder AdLib. Die Atari-Jaguar-Umsetzung wurde aus einem anderen Grund bekannt: Unter Zeitdruck strichen die Entwickler die Musik komplett, man spielt also fast in Stille nur mit Soundeffekten, obwohl Tempo und Flüssigkeit der Action damals als bemerkenswert gut für eine Konsole gelobt wurden. Die SEGA-32X-Version schnitt am schlechtesten ab: Die Level mussten gegenüber dem Original gekürzt und neu zusammengesetzt werden, Auflösung und Bildrate waren niedriger, und die dünne Musik zusammen mit dem trägeren Tempo machen sie bis heute zur schwächsten und am wenigsten empfehlenswerten Doom-Fassung.