Castlevania: Dracula X
Dracula X für das Super Nintendo brachte die Geschichte in den Westen, die Japan bereits aus dem CD-Spiel Rondo of Blood für den PC Engine kannte – für die überwiegende Mehrheit der Spieler außerhalb Japans war dies der allererste Kontakt mit diesem Kapitel der Serie. Richter Belmont macht sich erneut auf den Weg in Draculas Schloss, um seine Verlobte Annette und ihre Freundin Maria zu retten, und stellt sich dabei der klassischen Mischung aus Sprungpassagen, kriechenden Monstern und Bosskämpfen, auf der Castlevania aufbaute, bevor Symphony of the Night das Genre für freie Erkundung öffnete. Neben der Peitsche stehen Richter auch Nebenwaffen zur Verfügung, etwa Weihwasser, Wurfdolche oder ein Kreuz, zwischen denen er je nach Situation und Herzvorrat wechselt – eine Mechanik, die die Serie seit ihrem allerersten Teil mitführt und die das Spiel hier zusätzlich um die Möglichkeit ergänzt, den Angriff mit gesammelten Kristallen vorübergehend zu verstärken.
Im Vergleich zur CD-Vorlage handelte es sich um eine deutliche Überarbeitung, nicht um eine reine Portierung. Das SNES-Modul konnte nicht so viele Daten fassen wie ein CD-Datenträger, weshalb die animierten Zwischensequenzen mit vertonten Dialogen wegfielen, die ausgefeilte Level-Verzweigung anhand versteckter Schalter und zerstörbarer Wände auf einen fast linearen Ablauf vereinfacht wurde und die spielbare Maria, die im Original einen völlig anderen, akrobatischeren Spielstil mit eigenen Zauberangriffen bot, komplett aus dem Aufgebot gestrichen wurde – übrig blieb nur Richter. Konami überarbeitete zudem Grafik und Musik für den Soundchip des SNES, verschärfte die Zeitlimits der einzelnen Level, erhöhte die Gegnerschwierigkeit spürbar und entfernte die Möglichkeit, den Spielstand anders als per Passwort zu speichern, wodurch diese Fassung härter und weniger großzügig wirkt als die später gewürdigte japanische Vorlage. Gerade diese Version war jedoch lange Zeit die einzige Möglichkeit, die Geschichte von Rondo of Blood im Westen überhaupt zu spielen, bis Jahrzehnte später treuere Ports mit dem Originalinhalt und Maria zu den Spielern kamen.
Warum spielen: Dracula X eignet sich für Spieler, die harte Oldschool-2D-Action mögen und wissen wollen, wie Castlevania kurz vor Symphony of the Night aussah, das das Genre auf den Kopf stellte – idealerweise im Bewusstsein, dass es sich um eine härtere, schlankere Variante der japanischen Vorlage handelt und nicht um eine originalgetreue Kopie, und dass sowohl die spielbare Maria als auch die verzweigten Wege durch das Schloss fehlen.
Spiel 129 von 154 für Super Nintendo
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