The Castle
The Castle ist für das SG-1000 ein ungewöhnlich ambitioniertes Spiel, weil es statt Arcade-Action ein weitläufiges Schloss aus Dutzenden miteinander verbundenen Räumen bietet, die zusammen ein großes Rätsel bilden. Der Spieler steuert einen Prinzen, der versucht, den Gipfel des Schlosses zu erreichen und eine gefangene Prinzessin zu befreien. Jeder Raum ist eine abgeschlossene Szene voller Plattformen, Leitern, Türen und beweglicher Hindernisse, und die Aufgabe besteht darin, den Weg hinaus zu finden und sich nach und nach den Zugang zu höheren Stockwerken zu erschließen. Schlüssel und andere Gegenstände werden eingesammelt und an Orten benutzt, die weit vom Fundort entfernt sein können.
Der Spielablauf ist rein überlegungsgetrieben. Gegner bewegen sich auf festen Bahnen und lassen sich nicht zerstören, man muss sie also umgehen und ihre Regelmäßigkeit ausnutzen. Eine zentrale Rolle spielen Umgebungselemente wie Hebeplattformen, Schalter oder schiebbare Blöcke, durch die jeder Raum zu einer kleinen Aufgabe wird, wie man in diesem Raum einen Durchgang schafft. Das Spiel hat kein Zeitlimit, das den Spieler hetzt, und belohnt geduldiges Experimentieren. Technisch ist es ein sehr gepflegter Titel, der die Farbmöglichkeiten der Konsole gut nutzt und einen einheitlichen, leicht märchenhaften Stil beibehält. Die Musik ist einfach, aber angenehm in Schleife gelegt und passt zum beschaulichen Spieltempo.
Das Spiel entstand ursprünglich auf japanischen Heimcomputern, und seine SG-1000-Umsetzung zählt zu den am besten aufgenommenen Titeln aus dem späteren Teil der Konsolenlebenszeit. Es wird oft als einer der Vorläufer späterer Rätsel-Plattformer genannt, bei denen sich der Spieler über eine verbundene Karte bewegt und einzelne Räume löst. Heute hält sich The Castle überraschend gut, weil seine Herausforderungen fair sind und die Lösungen Sinn ergeben. Es braucht einen Notizblock und Lust am Ausprobieren, doch die Belohnung ist ein Spiel mit deutlich größerem Umfang, als man vom SG-1000 erwarten würde. Das Tempo ist ruhig, die Atmosphäre eher märchenhaft als spannungsgeladen, und das Ganze wirkt wie ein Rätselbuch, das über den Raum eines Schlosses ausgebreitet ist und durch das sich der Spieler langsam immer weiter nach oben arbeitet.
Spiel 12 von 13 für SEGA SG-1000