Halo 3: ODST
Halo 3: ODST entstand als eigenständige Erweiterung, die ursprünglich nur die Wartezeit auf die nächste große Episode der Serie überbrücken sollte, bot am Ende jedoch einen der eigenständigsten Blicke auf das gesamte Halo-Universum. Statt des gepanzerten Master Chief schlüpft der Spieler in einen einfachen ODST-Soldaten, der nach einem missglückten Absprung in den Trümmern des besetzten New Mombasa erwacht. Die Stadt dient als offener nächtlicher Hub, den man frei durchstreift, auf der Suche nach Spuren verlorener Teammitglieder, und jedes gefundene Objekt schaltet eine Rückblende-Mission mit einer anderen Figur und einem anderen Spielstil frei. Die Struktur wechselt so elegant zwischen stiller Spurensuche und den klassischen Feuergefechten, für die die Serie bekannt ist.
Kampftechnisch ist ODST spürbar zerbrechlicher als die Hauptteile. Energieschilde fehlen, Gesundheit wird mit Verbandskästen aufgefüllt, und das VISR-Nachtsichtgerät umrandet Objekte mit farbigen Konturen, wodurch der Weg durch die Straßen eher zu einem vorsichtigen Vorrücken als zu einem Frontalangriff wird. Sammelbare Audioaufnahmen entwickeln zudem eine parallele Geschichte über Zivilisten, die in der Stadt gefangen sind. Die große Neuerung war der kooperative Firefight-Modus, in dem bis zu vier Spieler immer stärkeren Gegnerwellen standhalten und versuchen, so lange wie möglich am Leben zu bleiben; das Format hielt sich in der Serie noch lange. Technisch baute das Spiel auf der Engine des dritten Teils auf, doch die Ausleuchtung der regnerischen, neonbeleuchteten, nebligen Stadt wirkt deutlich anders als die sonnendurchflutete Küste des Vorgängers.
Am besten gealtert sind Atmosphäre und Musik. Statt Kampfhymnen erklingt gedämpfter Jazz mit einsamem Saxofon und Klavier, was den detektivisch angehauchten Passagen einen fast Film-noir-artigen Charakter verleiht. Zeitgenössisch wurde das Spiel wohlwollend aufgenommen, wenngleich über den Preis angesichts der relativ kurzen Kampagne diskutiert wurde; die Kritik lobte hingegen den Mut, das Tempo zu verlangsamen und den Krieg aus der Sicht eines gewöhnlichen Soldaten ohne Superkräfte zu zeigen. Heute wirkt ODST wie das interessanteste Experiment von Bungie mit einem Format, das sich große Shooter nur selten trauen, und als Beweis, dass Halo nicht nur auf großen Schlachten beruht, sondern auch auf der Stimmung leerer Straßen lange nach Mitternacht.
Spiel 51 von 259 für Xbox 360
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