Ninja Gaiden
Ninja Gaiden erschien 1991 für das Atari Lynx und ist trotz des identischen Namens nicht die berühmte Jump-'n'-Run-Reihe für das NES, sondern ein Port der Arcade-Prügelei von Tecmo, in der sich der Spieler an der Seite einer Frau namens Kaeda durch Scharen von Gegnern kämpft. Spielerisch handelt es sich um ein klassisches Side-Scrolling-Beat-'em-up – die Figur greift mit Schlägen, Tritten und von besiegten Gegnern aufgesammelten Waffen an, weicht Angriffen aus und bewegt sich Bildschirm für Bildschirm auf den nächsten von mehreren Bossen zu, denen man unterwegs begegnet.
Auf dem Lynx profitiert das Spiel vom farbenfrohen, kontrastreichen Display des Handhelds, das Figuren und Hintergründe auch in schnelleren Kämpfen lesbar hält, sowie von einer Tastensteuerung, die genug Raum für Angriffskombinationen und schnelles Wechseln zwischen Gegnern bietet. Im Vergleich zur Arcade-Vorlage ist das Tempo etwas gedrosselt und die Level etwas kürzer, damit die Umsetzung zu den kürzeren Spielsitzungen passt, die für eine tragbare Konsole typisch sind, und die Batterien bei längerem Spielen nicht zu schnell entladen werden. An der Entwicklung war das Studio Bethesda Softworks beteiligt, das damals gleich eine ganze Reihe ähnlicher Umsetzungen von Arcade-Titeln für das Lynx vorbereitete, darunter weitere Action- und Sportspiele.
Das Ergebnis ist eine ordentlich spielbare Action-Prügelei, die mit der NES-Reihe Ninja Gaiden praktisch nichts außer dem Namen gemeinsam hat, aber als schnelles Handheld-Beat-'em-up auch heute noch überzeugt und zu den solideren Action-Titeln in der Lynx-Bibliothek zählt, auch wenn es heute nur wenige Spieler außerhalb des Sammlerkreises kennen. Genau diese verwirrende Namensgebung bringt bis heute selbst erfahrene Sammler durcheinander, die es im Regal fälschlicherweise neben den Jump-'n'-Run-Teilen von Tecmo suchen. Das Lynx war generell gut bei Umsetzungen von Arcade- und Automatenspielen aufgestellt, da seine Hardware eine Farbpalette und Leistung bieten konnte, die mit den damaligen Spielautomaten vergleichbar war, und Ninja Gaiden zeigt beispielhaft, wie gut ein solcher Port auch bei einem Titel funktionieren konnte, der nicht zu den größten Namen auf dem Markt gehörte. Für Lynx-Besitzer war es damit eine willkommene Alternative zu den Jump-'n'-Runs und Puzzlespielen, die die Konsole ansonsten dominierten.
Warum spielen: Weil es eine flotte Arcade-Prügelei bietet, die zeigt, dass auch das Lynx ein solides Beat-'em-up konnte.
Spiel 30 von 30 für Atari Lynx
Derselbe Titel woanders (3)
Obwohl sie denselben Namen tragen, sind die Versionen für Nintendo NES und den tragbaren Game Gear keine Varianten desselben Spiels, sondern eigenständige Titel aus einer anderen Schmiede. Der NES-Teil wurde berühmt für seine filmischen, anime-artigen Zwischensequenzen zwischen den Levels, eine ausgearbeitete Geschichte und einen straff ausbalancierten, gnadenlosen Schwierigkeitsgrad, der ihn zu einem der besten Action-Plattformer der 8-Bit-Ära macht. Die Game-Gear-Version ist schneller und schlanker, zugeschnitten auf den kleinen Bildschirm und die Akkulaufzeit, mit begrenzterer Farbpalette, kleineren Levels und einfacherer Geschichte. Wer Geschichte und Atmosphäre will, greift zum NES; wer schnelle Action unterwegs sucht, zum Game Gear.
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