NEC · 1987Spielkonsolen
PC Engine / TurboGrafx-16
Geschichte & Kontext
Als NEC in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerstudio Hudson Soft 1987 in Japan die PC Engine vorstellte, ahnten nur wenige, dass eines der faszinierendsten "Was wäre wenn"-Kapitel der Spielegeschichte geboren wurde. Eine winzige weiße Box von der Größe einiger Zigarettenschachteln glänzte mit einer Leistung, die die damaligen Marktführer alt aussehen ließ. In Japan wurde die PC Engine zu einem riesigen Hit und übertraf eine Zeit lang sogar das Nintendo Famicom. Im Westen kam die Konsole erst 1989 unter dem Namen TurboGrafx-16 an — und wegen unglücklichen Marketings und schlechten Timings gegenüber dem aufstrebenden Sega Genesis blieb sie eher eine seltsame Kuriosität.
Das Paradox beginnt schon beim Namen. Trotz der Bezeichnung "16" trieb die PC Engine ein 8-Bit-Kern an (ein eigener Prozessor HuC6280, abgeleitet von der berühmten 6502-Familie). Das Geheimnis des Erfolgs war jedoch ein außergewöhnlich leistungsfähiger Grafikchip, dank dem die Maschine leistungsmäßig mit echten 16-Bit-Konsolen konkurrierte. Die PC Engine füllte somit eine eigenartige Zwischengeneration zwischen dem NES und dem Aufkommen von SNES oder Mega Drive. Und vor allem: Sie war das allererste System mit einem CD-Zusatz (das CD-ROM² von 1988) und war damit der Konkurrenz um Jahre voraus.
Technik: Grafik und Sound
Das Herz der Grafik bildet ein Chippaar, der HuC6270 (VDC) und der HuC6260 (VCE). Die Konsole kann aus einer Palette von 512 Farben bis zu 482 Farben gleichzeitig darstellen und arbeitet mit einer großzügigen Anzahl von 64 Sprites auf dem Bildschirm, wobei einzelne Sprites bis zu 32×64 Pixel groß sein konnten. Die Standardauflösung lag bei etwa 256×239, aber die Hardware unterstützte auch breitere Modi. Gerade diese Kombination aus vielen großen, farbenfrohen Sprites und flüssigem Scrolling machte die PC Engine zu einer paradiesischen Plattform für vertikale und horizontale Shoot-'em-ups (Shmups) — eine Bibliothek von Titeln wie Soldier Blade, Super Star Soldier oder Blazing Lazers gehört zu den besten auf jeder Konsole.
Den Sound erledigt ein programmierbarer Generator direkt im Prozessor: sechs Wavetable-Kanäle, von denen zwei auch als Rauschgenerator für Perkussion arbeiten können. Die Wavetable-Synthese verlieh der Musik einen charakteristisch klaren, melodischen Klang. Mit dem Erscheinen des CD-ROM-Zusatzes kam zudem eine Redbook-CD-Audiospur hinzu — Spiele boten so plötzlich vollwertige aufgenommene Musikstücke, Sprachausgabe und Animationen, während die Konkurrenz noch Chipmusik aus Modulen piepte.
Anschlüsse und Peripherie
Spiele wurden ursprünglich von einer HuCard geladen (im Westen TurboChip) — flachen Kärtchen etwa in Kreditkartengröße, inspiriert vom damaligen Hudson-Bee-Card-Speicher. Ein absolut zentraler Zusatz war das bereits erwähnte CD-ROM² (1988), später verbessert mit dem Super CD-ROM² mit mehr Pufferspeicher; es gab auch ein kompaktes All-in-One-Modell, die PC Engine Duo, die das Laufwerk direkt ins Gehäuse integrierte.
Für den Mehrspielermodus diente der Adapter TurboTap (Multitap), der den Anschluss von bis zu fünf Controllern ermöglichte — die Konsole selbst hatte nämlich nur einen einzigen Anschluss. Zur Peripherie gehörten auch der Controller Turbo Pad mit einem Autofeuer-Schalter, eine Lichtpistole und in Japan sogar eine tragbare Version. Standard war ein RF-/Composite-AV-Ausgang.

Modelle und Revisionen
Es entstand eine ganze Reihe von Varianten. Nach der grundlegenden PC Engine kam die kleinere PC Engine Shuttle, die luxuriöse PC Engine CoreGrafx und die CoreGrafx II mit verbessertem AV-Ausgang, oder die tragbare PC Engine GT (im Westen TurboExpress) mit Farb-LCD, die gewöhnliche HuCards abspielte. Der Höhepunkt war die integrierte PC Engine Duo (und ihre Nachfolger Duo-R und Duo-RX), die Konsole und CD-Laufwerk in einem Stück vereinte. NEC produzierte auch die PC Engine LT in Form eines kleinen Laptops mit eingebautem Monitor. Im Westen schrumpfte das Ökosystem hauptsächlich auf die TurboGrafx-16 und den CD-Zusatz TurboGrafx-CD, beziehungsweise die kombinierte TurboDuo.
Klone und Varianten
Offizielle Klone der PC Engine gab es praktisch nicht — es handelte sich um eine geschlossene NEC-Plattform. Im Westen lizenzierte die Firma Telegames die Konsole kurzzeitig. In Nordamerika hingegen erschien gegen Ende des kommerziellen Lebens noch der Nachfolger PC-FX (1994), der jedoch nicht an den Erfolg anknüpfte.
Für den tschechischen und tschechoslowakischen Retro-Spieler ist es ehrlich zuzugeben, dass wir die PC Engine bei uns in den 80er- und 90er-Jahren praktisch nicht kennen — im Gegensatz zum ZX Spectrum (und seinem heimischen Klon Didaktik) oder zum NES (verbreitet über Famiclones und den polnischen Pegasus) kamen weder die PC Engine noch der TurboGrafx offiziell zu uns. Es war eine reine Import-Rarität, die nur ein enger Kreis von Enthusiasten kannte. Umso mehr ist sie heute ein Entdecker-Leckerbissen.
Die heutige Szene
Gerade jetzt erlebt die PC Engine eine Renaissance. Die Emulation ist ausgereift: HuCard-Spiele laufen fehlerfrei, CD-Titel benötigen nur die entsprechende BIOS-Datei (System Card) und etwas mehr Speicherplatz. Lange nicht verfügbare Juwelen wie Castlevania: Rondo of Blood oder Ys Book I & II haben dank Emulation und offizieller Neuauflagen endlich das westliche Publikum erreicht. Auch die Homebrew-Szene ist aktiv und Sammler jagen originale HuCards. Wenn Sie aus dem Mainstream von Nintendo und Sega ausbrechen möchten, ist die PC Engine einer der besten Tipps — besonders für Liebhaber von Shoot-'em-ups.
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