Beyond Good & Evil
Beyond Good & Evil des französischen Designers Michel Ancel wird bis heute als Beispiel für ein Spiel angeführt, das seiner Zeit missverstanden wurde und kommerziell scheiterte, obwohl es von der Kritik mit Lob überhäuft wurde. Der Spieler übernimmt die Rolle von Jade, einer Fotografin und Kämpferin, die auf dem Planeten Hillys ein Waisenhaus betreibt und sich zugleich der Widerstandsgruppe IRIS anschließt, die eine Verschwörung zwischen der Regierung und der außerirdischen Rasse DomZ hinter einer vorgetäuschten Invasion aufdeckt. Das Gameplay verbindet die Erkundung einer offeneren Welt, das Schleichen an Wachen vorbei, einfache, aber flüssige Kämpfe mit einem Kampfstab sowie Fahrten mit dem Schwebegleiter zwischen Inseln, die sich nach und nach aufrüsten lassen, um zuvor unzugängliche Teile der Karte zu öffnen.
Ein einzigartiges Element ist das Fotografieren. Jade erhält die Aufgabe, seltene Tiere ebenso zu dokumentieren wie belastende Beweise verborgener Verschwörungen, wodurch das Spiel seine Mechanik direkt mit dem Thema investigativer Journalismus und Medienmanipulation verknüpft. Für aufgenommene Bilder gibt es Geld und Perlen als Währung für Upgrades, sodass Neugier und Aufmerksamkeit für Details direkt belohnt werden. Der visuelle Stil mit kräftigen Farben und karikaturhaften, aber emotional lesbaren Figuren hob das Spiel von der damaligen Welle düsterer Actiontitel ab, wozu ein vielseitiger, mitunter melancholischer musikalischer Begleiter sowie eine ungewöhnlich warmherzige Beziehung zwischen Jade und ihrem Onkel Pey'j beitragen.
Trotz verhaltener kommerzieller Aufnahme baute sich Beyond Good & Evil nach und nach eine starke Kultanhängerschaft auf, die bis heute nach der lange versprochenen Fortsetzung Beyond Good & Evil 2 verlangt. Die Xbox-Version gehörte technisch zu den am besten aussehenden und gilt als eines der meistübersehenen Juwelen der Konsolenbibliothek. Jade als weibliche Protagonistin ohne klischeehafte Sexualisierung oder Rolle als bloßes Nebeninteresse war 2003 auf dem Spielemarkt eine Ausnahme und trug zum Ruf des Spiels als fortschrittliches Werk seines Genres bei. Auch heute spielt es sich überraschend flott: Es ist kurz, kompakt und zieht sich nie in die Länge, was es zu einem idealen Titel macht, um in eine Zeit zurückzukehren, in der sich auch größere Budgets an völlig originellen Ideen versuchten.
Spiel 45 von 176 für Microsoft Xbox
Derselbe Titel woanders (3)
Beyond Good & Evil erschien gleichzeitig für PlayStation 2, GameCube und Xbox, und Story, Karte sowie Spielinhalt sind über alle Versionen hinweg identisch. Wie bei vielen Multiplattform-Titeln jener Zeit sorgte der stärkere Chip der Xbox samt mehr Speicher meist für etwas schärfere Texturen und flüssigere Bildraten als bei PlayStation 2 oder GameCube, deren Fassungen sich wiederum sehr ähneln. Keine Plattform verlor Spielinhalte oder Level, obwohl das Spiel damals bekanntlich kommerziell scheiterte. Die Unterschiede zwischen den Versionen sind also eher fein und technisch als grundlegend, weshalb die Plattformwahl heute vor allem von bevorzugter Hardware und Controller abhängt.