Silent Hill: Shattered Memories
Silent Hill: Shattered Memories ist eine mutige Neubearbeitung des ersten Teils der Reihe, die von der Vorlage nur die grundlegende Ausgangssituation übernimmt und alles Übrige von Grund auf neu aufbaut. Harry Mason erwacht nach einem Autounfall in einer verschneiten Kleinstadt und sucht seine Tochter Cheryl, doch der Weg zu ihr führt über Sitzungen bei einem Psychotherapeuten, der direkt mit dem Spieler spricht. Die Antworten auf dessen Fragen, das Zeichnen, das Ausfüllen von Fragebögen sowie kleine Entscheidungen in der Umgebung verändern das Spiel fortlaufend: Figuren sehen anders aus, verhalten sich anders, ganze Handlungsstränge fallen anders aus. Es ist einer der interessantesten Versuche adaptiven Erzählens, der im Horrorgenre je aufgetaucht ist, und Spieler bemerken seine Existenz oft erst beim zweiten Durchgang.
Das Gameplay hat bewusst auf Kampf verzichtet. Harry besitzt keine Waffe, und sobald sich die Welt in einen eisigen Albtraum verwandelt, kann er nur noch rennen, Hindernisse hinter sich umwerfen und Verfolger durch eine Bewegung des Controllers abschütteln. Den Rest der Zeit ist das Spiel eher eine langsame Erkundung: mit der Taschenlampe leuchten, Räume durchsuchen, Türen öffnen und lauschen. Hervorragend genutzt wird das Mobiltelefon, das als Karte, Kamera und Kanal für bedrückende Anrufe dient und das der Spieler über die Wii Remote ans Ohr hält. Der Lautsprecher im Controller trägt so einen Teil des Sounddesigns direkt in die Hand, und einige der besten Schreckmomente des Spiels beruhen genau darauf.
Technisch war dies für Wii-Verhältnisse ein überdurchschnittlicher Titel mit stilisierter Beleuchtung und dichtem Schneetreiben, das den denkwürdigen Nebel des Originals ersetzte. Musik und Sounddesign halten sich an die traditionelle Linie der Reihe, also eine Mischung aus ambienten Flächen, metallischem Kreischen und einigen überraschend melodischen Liedern. Rezensenten lobten bei Erscheinen vor allem den Mut zum Experiment sowie das psychologische Ende, das zu den bestgeschriebenen Momenten der gesamten Reihe zählt, auch wenn ein Teil der Fans den Verlust des Kampfsystems bedauerte. Mit zeitlichem Abstand wird Shattered Memories als eines der stärksten Horrorspiele auf Wii betrachtet und als Beweis dafür, dass Bewegungssteuerung auch dem Erzählen dienen konnte, nicht nur der Action.
Spiel 43 von 140 für Nintendo Wii
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