ColecoVision – fotografieColeco · 1982

Spielkonsolen

ColecoVision

Coleco Jahr 1982 16 Spiele 5 mit Kommentar

Geschichte & Kontext

Als Coleco im August 1982 die ColecoVision auf den Markt brachte, wirkte die Konsole wie eine Erscheinung aus der Zukunft. Während der Atari 2600 bereits sein Alter zu zeigen begann und die Spiele darauf wie Ansammlungen eckiger Flecken aussahen, brachte die ColecoVision Arcade-Hits in einer Qualität nach Hause, wie sie bis dahin keine Heimmaschine geschafft hatte. Der beigelegte Port von Donkey Kong war eine perfekte Killer-App: Zum ersten Mal konnte man das beliebte Spielhallenspiel zu Hause spielen, und das Bild ähnelte tatsächlich dem, was man aus der Spielhalle kannte. Die Konsole wird deshalb manchmal als „Dreamcast ihrer Zeit" bezeichnet — eine technisch herausragende Maschine, die der Konkurrenz voraus war und dennoch zu einem vorzeitigen Ende verdammt blieb.

Dieses Ende war der große nordamerikanische Videospielcrash von 1983. Die ColecoVision verkaufte sich zunächst hervorragend, doch der Zusammenbruch der gesamten Branche fegte sie zusammen mit den anderen hinweg. Coleco setzte zudem auf den erfolglosen Heimcomputer Adam, der das Unternehmen finanziell ausschöpfte und faktisch zu Fall brachte. Die Konsole hatte so nur ein kurzes Leben — die Produktion endete 1985 —, schaffte es aber, eine überraschend hochwertige Bibliothek von Arcade-Ports zusammenzustellen, die ihr bis heute Respekt unter Sammlern einbringt.

Technik: Grafik und Sound

Das Herz der ColecoVision ist ein Acht-Bit-Prozessor Zilog Z80A, getaktet mit rund 3,58 MHz. Um das Bild kümmert sich der Videochip Texas Instruments TMS9928A (eine Variante der TMS9918-Reihe), der eine Auflösung von 256×192 Punkten und eine Palette von 15 Farben plus Transparenz bewältigt. Entscheidend war die Unterstützung von 32 Hardware-Sprites — gerade dank ihnen konnten sich bewegliche Objekte wie Donkey Kong, Fässer oder Mario flüssig über den Bildschirm bewegen, ohne dass der Prozessor mühsam den Hintergrund neu zeichnen musste. Das war gegenüber dem Atari 2600, der nur ein paar primitive Sprites zur Verfügung hatte und das Bild mühsam „im Betrieb" Zeile für Zeile zusammensetzen musste, ein riesiger Sprung.

Den Ton liefert der Chip Texas Instruments SN76489, der drei Tonkanäle und einen Rauschkanal bietet. Für die Verhältnisse des Jahres 1982 war das eine ordentliche Ausstattung, die einfache Melodien und Klangeffekte zugleich ermöglichte. Denselben Videochip und dieselbe Klangschaltung nutzten auch weitere Plattformen jener Zeit, wovon noch die Rede sein wird — und gerade diese Verwandtschaft macht die ColecoVision zu einem technisch sehr interessanten Stück Geschichte.

Expansion Module #1 für Spiele des Atari 2600
Expansion Module #1 für Spiele des Atari 2600
### Anschlüsse und Peripherie

Die ColecoVision wurde über einen RF-Modulator (Antenneneingang) an den Fernseher angeschlossen, was damals Standard war. Der Controller war eine Art Unikat: Er kombinierte einen klassischen Joystick mit einem numerischen Tastenfeld (Keypad) und zwei seitlichen Tasten. Das Tastenfeld diente zur Eingabe von Schwierigkeitsgraden, Menüauswahlen oder speziellen Aktionen in den Spielen — eine Reihe von Titeln nutzte nämlich die beigelegten Plastik-Overlays, die der Spieler je nach konkretem Spiel auf das Keypad aufsetzte.

Coleco bot auch eine vielfältige Palette an Erweiterungen. Die berühmteste war das Expansion Module #1, ein Adapter, der es ermöglichte, auf der ColecoVision direkt Spiele des Atari 2600 zu spielen — ein kühner Schachzug, wegen dessen Atari sogar Klage erhob. Das Expansion Module #2 fügte ein Lenkrad und ein Pedal für das Rennspiel Turbo hinzu. Es erschien auch der Roller Controller (Trackball) und der Super Action Controller mit zusätzlichen Tasten. Der Höhepunkt des Ökosystems sollte das Computermodul Adam sein, das aus der Konsole einen vollwertigen Heimcomputer mit Tastatur, Kassettenlaufwerk und Drucker machte.

Die ColecoVision-Konsole mit Controller (1982)
Die ColecoVision-Konsole mit Controller (1982)
### Modelle und Revisionen

Die ColecoVision existierte im Grunde in einer einzigen Haupt-Hardwareform, Hardware-Revisionen gab es daher spärlich und für den gewöhnlichen Spieler unbedeutend. Weitaus wichtiger waren die erwähnten Erweiterungen, die die Konsole verwandelten. Die auffälligste Transformation war eben der Coleco Adam — ein Computer auf derselben Basis, erhältlich sowohl als eigenständige Maschine als auch als Aufsatz für eine bestehende Konsole. Der Adam war allerdings berühmt-berüchtigt für seine Fehleranfälligkeit und Probleme mit dem Löschen von Daten durch ein Magnetfeld beim Start, was den Ruf von Coleco weiter beschädigte.

Klone und Varianten

Dank der Verwandtschaft der Chips steht die ColecoVision anderen Plattformen ihrer Zeit nahe. Denselben (oder einen sehr ähnlichen) Videochip TMS9918/9928 und die Klangschaltung SN76489 finden wir in der japanischen Sega SG-1000 sowie im Computerstandard MSX, sodass sich Spiele zwischen diesen Systemen relativ leicht portieren ließen — was die Homebrew-Szene bis heute nutzt. Von den offiziellen Varianten ist der europäische Vertrieb über die Firma CBS unter der Marke CBS ColecoVision erwähnenswert.

Es existierte auch ein späterer Klon Telegames Personal Arcade (ebenfalls als Dina verkauft), der die Kompatibilität mit der ColecoVision und der Sega SG-1000 vereinte. Im tschechoslowakischen oder osteuropäischen Kontext kam die ColecoVision praktisch nicht vor — die Region wurde eher von NES-Famiclones (bei uns als Pegasus bekannt) und ZX-Spectrum-Klonen vom Typ Didaktik überschwemmt, während Coleco hier keine nennenswerte Spur hinterließ.

Die heutige Szene

Die Emulation der ColecoVision ist heute trivial und wird von praktisch jeder modernen Hardware bewältigt — vom PC über den Raspberry Pi bis hin zu Taschen-Handhelds. Von den Emulatoren sind BlueMSX, openMSX oder der Multiemulator MAME beliebt; für RetroArch gibt es den Kern Gearcoleco. Der Hauptanreiz bleiben die originalgetreuen zeitgenössischen Arcade-Ports und eine überraschend aktive Homebrew-Gemeinschaft, die für diese fast ein halbes Jahrhundert alte Maschine noch immer neue Spiele auf physischen Cartridges und zum Download veröffentlicht. Für Retrospieler stellt die ColecoVision so einen kurzen, aber sehr netten Ausflug in die Anfänge der Heimkonsolen dar.

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