Berzerk
Berzerk schickt den Spieler in ein endloses Labyrinth aus elektrifizierten Gängen, das von schießenden Robotern bewohnt wird. Das Prinzip ist einfach und gnadenlos: Jeder Raum hat mehrere Ausgänge, darin steht eine bewaffnete Figur, umgeben von einer Gruppe Roboter, die sich langsam bewegen und feuern. Töten lässt sich auf drei Wegen – mit dem eigenen Schuss, indem man einen Roboter in eine Wand lockt, oder indem sich die Roboter versehentlich gegenseitig treffen. Die Wände selbst stehen unter Strom, sodass schon ein unachtsamer Schritt sofortigen Tod bedeutet. Zögert der Spieler zu lange in einem Raum, erscheint das hüpfende Smiley-Gesicht Evil Otto, das unzerstörbar ist, durch Wände geht und stetig schneller wird. Er ist kein Gegner, sondern eine Uhr in Form eines Grinsens – und gerade er machte aus Berzerk ein Spiel des ständigen Vorwärtsdrängens.
Die Vectrex-Umsetzung nutzt aus, dass der Vektormonitor dünne, leuchtende Linien zeichnet: Das Labyrinth wirkt wie ein leuchtender Drahtplan, die Roboter sind eckige Figuren aus wenigen Strichen, und die Schüsse sind kurze, helle Linien, die sich in Bewegung besser verfolgen lassen als auf Rastersystemen. Der Analogstick des Vectrex erlaubt es, in acht Richtungen zu zielen und sich gleichzeitig zu bewegen, was für diesen Spieltyp entscheidend ist. Der Spielhallenautomat war für seine synthetisch sprechenden Roboter berühmt; die Heimversion muss mit sparsamen elektronischen Klängen auskommen, die dennoch die bedrückende Atmosphäre der leeren Gänge gut unterstreichen.
Berzerk gilt als Urvater des Arena-Shooter-Genres, und sein Erbe zeigt sich überall dort, wo sich ein Spieler durch geschlossene, gegnergefüllte Räume kämpft. Zeitgenössisch wurde die Vectrex-Umsetzung gerade wegen der präzisen Steuerung positiv aufgenommen. Heute schätzt man sie als reines Spiel des räumlichen Denkens: Die Entscheidung, welchen Ausgang man nimmt, ist letztlich oft wichtiger als das Zielen selbst. Ein bewältigter Raum bedeutet keinen Erfolg, denn der nächste ist immer etwas dichter besiedelt, und ein einziger falscher Schritt schickt den Spieler zurück an den Anfang. Genau diese Kombination aus einfachen Regeln und null Toleranz für Fehler hält Berzerk bis heute lebendig.
Spiel 3 von 13 für GCE Vectrex
Derselbe Titel woanders (3)
Sterns Arcade-Original war berühmt für digitalisierte Roboterstimmen und Vektorgrafik, und genau das unterscheidet die Heimumsetzungen. Die Version für den GCE Vectrex lief auf dessen eigenem Vektor-Display und bewahrte so die scharfen, leuchtenden Linien nahe am Arcade-Look, allerdings ohne die Sprachausgabe. Die Atari-2600-Version musste die Vektorgrafik durch gröbere Rasterzeichnung mit weniger Details und vereinfachten Robotern ersetzen, auch der Sound war deutlich eingeschränkter. Wer das arcade-nächste Erlebnis will, greift zum Vectrex; die Atari-2600-Version bietet eine vereinfachte, aber weiterhin spielbare Alternative.