Pitfall II: Lost Caverns
Pitfall II: Lost Caverns ist auf dem SG-1000 eines der wenigen Titel, die statt einer Reihe einzelner Bildschirme wirklich eine ausgedehnte, zusammenhängende Welt bieten. Abenteurer Pitfall Harry steigt in ein weitläufiges Höhlensystem hinab, um seine verschollene Verwandte, ihren tierischen Begleiter und einen tief unter der Erde verborgenen Schatz zu finden. Die Höhlen bilden eine große Karte voller Leitern, Wasserkanäle, Plattformen und endloser Fledermäuse, Frösche und anderer Kreaturen, zwischen denen der Spieler den Weg nach vorn ebenso sucht wie versteckte Abzweigungen, die man leicht übersieht.
Das Spiel löst das Frustrationsproblem auf elegante Weise, die im Erscheinungsjahr ungewöhnlich entgegenkommend wirkte. Man hat keine Leben im üblichen Sinn, nach einem Treffer setzt das Spiel einen zum letzten erreichten Kontrollpunkt zurück und zieht Punkte vom Punktestand ab. Dadurch wird Pitfall II zu einem schrittweisen Kennenlernen des Geländes und Einprägen der Wege statt zu wiederholtem Neubeginn bei null, ein entscheidender Unterschied für ein Erkundungsspiel. Die SG-1000-Fassung arbeitet mit den Möglichkeiten der Konsole, also einfacherer Farbgebung und gröberen Kulissen als spätere Achtbit-Umsetzungen, dennoch bleibt die Anordnung der Höhlen übersichtlich, und das Schwimmen in unterirdischen Strömen wie die freien Stürze halten die Spannung. Eine durchgehende, sich der Situation anpassende Musikschleife gehört zu den auffälligen Merkmalen der ganzen Reihe.
Das Original von Activision gilt als einer der wichtigen Schritte hin zu Action-Adventures, und sein Einfluss auf Spiele mit offenerer Struktur war beträchtlich. Die SG-1000-Heimversion bietet heute mehrere Stunden Erkundung und ein gutes Gefühl dabei, wie sich im Kopf nach und nach die Karte der gesamten Höhle zusammensetzt. Es braucht Geduld und die Bereitschaft, sich mit der damaligen Steuerungssperrigkeit abzufinden, doch die Belohnung ist ein Spiel, das im Gegensatz zum Großteil des Konsolenkatalogs einen echten Anfang, eine Mitte und ein Ende hat. Für SG-1000-Besitzer war dies im Erscheinungsjahr einer der wenigen Titel, bei denen man von einem Abenteuer für mehrere Abende sprechen konnte, und auch deshalb gilt es oft als einer der Höhepunkte der Konsolenbibliothek.
Spiel 10 von 13 für SEGA SG-1000
Derselbe Titel woanders (3)
Die Atari-2600-Fassung verdankt ihren Ruf einem speziellen DPC-Chip direkt im Modul, der der Konsole mehrkanalige Musik ermöglichte, wie sie die Standardhardware damals nicht leisten konnte, und führte zudem das ungewöhnliche Konzept eines Spiels ohne echten Tod ein — Harry wird nach einem Sturz einfach zurückgesetzt. Die SG-1000-Portierung von SEGA aus dem Jahr 1985 hatte keine solche Spezialhardware im Modul zur Verfügung und musste sich mit dem gewöhnlichen Soundchip der Konsole begnügen, wodurch die Musik spürbar an Fülle verlor. Für den technischen Durchbruch und den unverwechselbaren Klang wird daher meist die Atari-2600-Version genannt.