Loom
Loom ist das ungewöhnlichste Adventure, das Lucasfilm Games je veröffentlicht hat. Der Spieler schlüpft in die Rolle des jungen Bobbin aus der Weberzunft, dessen Volk spurlos verschwunden ist, und reist durch eine Welt, die zwischen den Zünften der Glasbläser, Schmiede, Hirten und anderer aufgeteilt ist. Statt eines Inventars und Verben steht ihm nur ein einziges Werkzeug zur Verfügung — eine magische Spindel, auf der Vier-Ton-Melodien gespielt werden. Jeder Zauber ist eine Notenfolge, die der Spieler direkt aus der Welt heraus per Gehör lernt: Grünen von einer sprießenden Knospe, Öffnen von einer geöffneten Truhe — und dieselbe rückwärts gespielte Melodie bewirkt genau das Gegenteil.
Diese eine Mechanik trägt das ganze Spiel und macht daraus ein eher meditatives als rätsellastiges Erlebnis. Loom ist kurz, an einem längeren Nachmittag zu schaffen, und vermeidet bewusst Frustration — sterben kann man praktisch nicht, und das Spiel versteckt seine Lösungen nie hinter einer absurden Gegenstandskombination. Der optionale Schwierigkeitsgrad bestimmt zudem, ob der Spieler die Noten auf dem Bildschirm angezeigt bekommt oder sie ausschließlich nach Gehör erkennen muss, was die schwerere Variante zu einer echten Hör- und Gedächtnisübung macht.
Technisch war es auf DOS ein EGA-Spiel mit ungewöhnlich weichen, gemalten Hintergründen und einer Musik, die auf Motiven aus Tschaikowskis Schwanensee aufbaut — die perfekt zur Geschichte von Schicksal und gewobenen Fäden passen. Eine spätere CD-Fassung brachte 256 Farben und gesprochenen Text. Zeitgenössisch wurde Loom mit Respekt aufgenommen, verkaufsmäßig erreichte es aber nicht Monkey Island, und die geplante Fortsetzung entstand nie. Genau deshalb ist es heute eine solche Legende: ein elegantes, leises und ungewöhnlich reifes Werk, das zeigte, dass ein Adventure nicht nur aus Gegenstände-Sammeln und Witzeleien bestehen muss und dass man es auf einer einzigen, konsequent zu Ende gedachten Idee aufbauen kann. Für heutige Spieler ist es zudem ein idealer Einstieg ins Genre: Man bleibt nirgends stecken, das Spiel bestraft einen für nichts, und man lernt die ganze Welt kennen, bevor man überhaupt Zeit hätte, davon müde zu werden. Was danach vor allem bleibt, ist die Melodie, an die man sich noch lange nach dem Durchspielen erinnert.
Spiel 34 von 204 für PC / DOS (XT až 486)