Another World – boxart
STAtari ST

Another World

Cinematic / Adventure 1990 Delphine Software ⏱ Mittel · ~3–10 Std.
Another World – Aus dem Spiel
Aus dem Spiel
Another World – Titelbildschirm
Titelbildschirm

Ein wortloses Kult-Adventure im Kinostil; eines der berühmtesten Intros der Spielegeschichte.

Du öffnest die Augen in einem Labor, ein Teilchenbeschleuniger-Entladung blitzt auf, und deine Figur findet sich unter der Oberfläche eines fremden Planeten wieder. Keine Menüs, keine Tutorials, kein HUD. Another World wirft dich von der ersten Sekunde an in eine feindliche Welt und lässt dich so oft sterben, wie es nötig ist, bis du seine Regeln begreifst. Diese Eröffnungsszene gehört zu den berühmtesten Anfängen der Spielegeschichte und vermag bis heute zu fesseln.

Der Franzose Éric Chahi schuf das Spiel praktisch allein: Er programmierte, animierte und entwarf das Design. Dabei verwendete er seine eigene Technik der Polygon-Vektorgrafik, dank der die Figuren und Umgebungen flüssig und filmisch wirkten, zu einer Zeit, in der die meisten Spiele auf Pixel-Sprites setzten. Die Bewegungsanimationen des Helden Lester und seines außerirdischen Verbündeten waren für ihre Zeit ungesehen realistisch, und das ganze Spiel lief ohne ein einziges Wort Text, erzählt allein durch Bild und Situation.

Mechanisch ist es zugleich ein filmischer Platformer und ein Adventure. Du rennst, springst, hebst eine Laserwaffe auf, die schießen, Schilde erzeugen und Wände durchbrechen kann, und vor allem löst du die Umgebung nach der Methode von Versuch und Irrtum. Der Tod ist hier konstant und oft brutal, aber die Checkpoints sind großzügig, und jeder Fehlschlag bringt dich dem Verständnis dessen näher, was die Welt verlangt. Die Beziehung zwischen Lester und dem Gefangenen, dem du begegnest, erzeugt einen emotionalen Bogen ohne eine einzige Zeile Dialog.

Das Spiel erschien 1991, ursprünglich auf dem Amiga und Atari ST, und wurde zu einem sofortigen kritischen Erfolg. Unter dem Namen Out of This World setzte es sich auch in Nordamerika durch und erhielt Dutzende Ports über Generationen von Konsolen und Computern hinweg, einschließlich moderner Remaster zum 20. Jubiläum. Sein Einfluss ist unübersehbar: Es inspirierte erklärtermaßen Schöpfer wie Hideo Kojima oder das Studio Playdead (Limbo, Inside).

Another World bleibt ein Musterbeispiel dafür, dass ein Spiel Kunst sein kann. Es ist kurz, kompromisslos und stellenweise frustrierend, aber das Erlebnis, seine Welt nach und nach zu enthüllen, ist unvergesslich. Die Version für den Atari ST war eine der ersten, und die Atari-Heimcomputer boten ihr eine würdige Bühne.

Warum spielen: Für die zeitlose, wortlos erzählte Geschichte und eine Atmosphäre, die ein ganzes Genre der filmischen Spiele definierte.

Spiel 7 von 72 für Atari ST

Derselbe Titel woanders (4)

Éric Chahis Original von 1991 entstand für Amiga und Atari ST, und seine vektorbasierte Polygongrafik kam der Filmanimation für die damalige Zeit erstaunlich nahe. Weil das Spiel nicht auf klassischen Pixel-Sprites basierte, ließ es sich überraschend originalgetreu auf andere Plattformen übertragen. Amiga und Atari ST hatten allerdings Ladepausen von Diskette zwischen den Szenen, die die Cartridge-Fassungen für Mega Drive und Super Nintendo beseitigten. Der Klang unterschied sich jedoch: Die Amiga nutzte gesampelte Musik, während das Mega Drive auf seinen FM-Chip setzte und roher klang. Die SNES-Version gilt allgemein als eine der ausgewogensten Fassungen.