Centipede
Vom oberen Bildschirmrand kriecht sich ein segmentierter Tausendfüßler im Zickzack herab, zwischen den Pilzen huscht eine giftige Spinne, und du feuerst verzweifelt in diese wimmelnde Masse von Beinen. Centipede aus dem Jahr 1981 gehört zu den berühmtesten Titeln des Studios Atari und ist bis heute ein Musterbeispiel perfekt abgestimmter Arcade-Action.
Die Genialität des Spiels liegt in seinem Widersacher. Der Tausendfüßler schlängelt sich durch ein Feld von Pilzen, und jedes Mal, wenn du ihn in der Mitte seines Körpers triffst, zerfällt er in zwei getrennte, kürzere Tausendfüßler, von denen jeder für sich zu kriechen beginnt. Dabei wuchern die Pilze und verwandeln das Spielfeld allmählich in ein Labyrinth. Dazu kommen eine lästige Spinne, ein von oben fallender Floh und ein Skorpion, der die Pilze mit Gift verseucht, und schon hast du das Rezept für einen chaotischen, aber wunderbar überschaubaren Ansturm von Feinden.
Centipede ist auch deshalb außergewöhnlich, weil Dona Bailey, eine der wenigen Programmiererinnen in der damals von Männern dominierten Welt der Spielebranche, gemeinsam mit Ed Logg an seinem Entwurf mitwirkte. Das Spiel wurde mit einem Trackball gesteuert, der eine schnelle und präzise Bewegung des Schützen entlang des unteren Bildschirmstreifens ermöglichte. Gerade diese Geschmeidigkeit machte Centipede zu einem der greifbarsten Arcade-Erlebnisse der Zeit.
Kulturell war es aus mehreren Gründen ein Durchbruch. Die bunte Farbpalette und das relativ friedliche Insektenthema zogen auch Spielerinnen an den Automaten, was in der damaligen Arcade eine Seltenheit war. Das Spiel erhielt unzählige Portierungen auf Heimsysteme einschließlich des Atari 2600 und 5200 sowie eine Fortsetzung namens Millipede, die das Prinzip um weiteres Getier erweiterte.
Der heutige Spieler wird zu schätzen wissen, wie hervorragend Centipede gealtert ist. Das Tempo steigert sich unerbittlich, der Bildschirm füllt sich mit Pilzen, und du musst in Sekundenbruchteilen entscheiden, wen du zuerst ausschaltest. Es ist ein Beweis dafür, dass zeitloses Design nichts weiter braucht als einen cleveren Feind und eine präzise Steuerung.
Warum spielen: Für den hypnotischen Rhythmus, einen clever gestalteten Feind, der sich direkt vor deinen Augen teilt, und ein Stück Geschichte, an dem eine der ersten Frauen des Fachs mitwirkte.
Spiel 37 von 258 für Arcade
Derselbe Titel woanders (4)
Das Arcade-Original von 1981 bleibt bis heute der Maßstab, mit flüssiger Animation des Tausendfüßlers und seines Schwarms aus Spinnen und Flöhen vor leuchtend bunten Pilzfeldern. Der Port für das Atari 2600 zählt zu den am besten bewerteten Umsetzungen auf diesem System – anders als der berüchtigt misslungene Pac-Man-Port bewahrten die Entwickler hier Spielgefühl und Tempo trotz kantigerer Grafik und der begrenzten Farbpalette des 2600. Das Atari 5200 verfügte über stärkere Hardware, weshalb seine Version flüssigere Bewegung und Farben zeigte, die näher am Arcade-Original lagen als beim älteren 2600. Wer das originalgetreueste Erlebnis will, wählt die Arcade-Version, wer die beste Heimumsetzung der frühen 1980er sucht, schätzt das Atari 5200.