Ys I: Ancient Ys Vanished
Ys I: Ancient Ys Vanished schickt den rothaarigen Abenteurer Adol Christin in das verfluchte Land Esteria, wo er herausfinden soll, was mit der längst verschwundenen Zivilisation von Ys geschah, und die sechs heiligen Bücher einsammeln muss, die über die Welt verstreut sind. Das Spiel wird aus der Vogelperspektive gespielt, bietet aber statt eines gewöhnlichen Kampfmenüs das sogenannte Bump-System: Angegriffen wird einfach dadurch, dass Adol außermittig in einen Gegner hineinläuft. Das klingt nach einer Vereinfachung, erzeugt in der Praxis aber ein schnelles, fast rhythmisches Spiel, bei dem es um Anlaufwinkel, Timing und das Gespür geht, wann man sich lieber zurückzieht. Der Fortschritt ist linearer als bei den damaligen Computer-Rollenspielen, und der Spieler muss sich nicht durch stundenlange Zufallskämpfe kämpfen, um weiterzukommen.
Auf dem PC-98 nutzte das Spiel hohe Auflösung und eine gut lesbare Palette voll aus, sodass die Karten von Esteria, die Zemeth-Mine und der Darm-Turm scharf und übersichtlich wirken; die farblich zurückhaltenden, aber markant stilisierten Bildschirme gehören zum Besten, was japanische Computer damals boten. Die Musik ist bis heute der meistzitierte Teil des Spiels — das Falcom Sound Team jdk baute auf der FM-Synthese der Soundkarten Stücke auf, die eher zu einem Actionspiel passen als zu einem gemächlichen Fantasy-Abenteuer, und die Bossthemen haben sich damit einer ganzen Generation von Spielern ins Gedächtnis eingebrannt. Die Bosskämpfe sind ohnehin eine eigene Disziplin: Jeder hat ein klar erkennbares Bewegungsmuster, das man lesen muss, bevor die Heiltränke ausgehen.
Zur damaligen Zeit bedeutete das einen entscheidenden Bruch mit den harten, langsamen Dungeons, die japanische Computer-Rollenspiele bis dahin geprägt hatten. Ys zeigte, dass ein Action-Rollenspiel zugänglich und flott sein und trotzdem voller Atmosphäre stecken kann, und stieß eine Serie an, die bis heute läuft. Adol wurde zur Ikone, und sein erstes Abenteuer erlebte in der Folge unzählige Ports und Neuauflagen. Heute spielt man es schnell durch, an ein bis zwei Abenden, und auch wenn man sich an das Bump-System erst gewöhnen muss, wird man mit einem der klarsten Abenteuer seiner Ära belohnt. Die kurze Spielzeit ist hier eher ein Vorzug als ein Mangel: Das Spiel zieht nichts in die Länge, jeder Ort hat einen Grund zu existieren, und das Ende kommt, bevor es Zeit hätte, langweilig zu werden.
Spiel 15 von 28 für NEC PC-98
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