Rusty
Rusty ist ein Action-Plattformer, der offen Aufbau und Stimmung gotischer Vampirjäger-Abenteuer entlehnt und auf japanische Computer überträgt. Die Hauptheldin ist ein Mädchen, das gegen dämonische Kräfte auszieht und eine Reihe in sich abgeschlossener Levels durchläuft, die jeweils mit einem Bosskampf enden. Grundlage ist ein Nahkampfangriff mit langer Reichweite, ergänzt durch Nebenwaffen, die in der Umgebung eingesammelt werden — und wie bei den Vorbildern des Genres kommt es vor allem auf präzises Timing der Schläge, den Umgang mit Sprüngen und darauf an, sich nicht an den Rand eines Abgrunds drängen zu lassen.
Die Levels sind so gestaltet, dass sie schnelle Passagen mit vorsichtigem Vorankommen abwechseln: Zwischen Plattformen, Leitern und wiederkehrenden Gegnern lernt der Spieler die Route auswendig. Die Bosse haben klar erkennbare Muster und lassen sich meist erst nach mehreren Versuchen besiegen, wenn man den Rhythmus ihrer Angriffe verstanden hat. Auf dem PC-98 setzte das Spiel auf eine dunkle, satte Farbpalette, große Figuren und viele Details im Hintergrund, sodass es visuell zu den auffälligsten Action-Spielen der Plattform gehört — an sich bemerkenswert, da der PC-98 nicht für flüssiges Scrolling gebaut war. Die Musik ist passend dramatisch und passt stilistisch zur gotischen Stimmung, die Atmosphäre rutscht gelegentlich ins Chorhafte ab, und das Spiel enthält Szenen für ein erwachsenes Publikum.
Damals setzte sich Rusty vor allem bei Spielern durch, denen auf Computern ein anständiges Action-Spiel im Konsolenstil fehlte, und erwarb sich im Laufe der Jahre den Ruf eines Kulttitels, der als einer der wenigen wirklich gelungenen Plattformer auf dem PC-98 gilt. Heute ist es kurz, schwer und geradlinig — es lässt sich in einer längeren Sitzung durchspielen und bietet genau das, was es verspricht: gute alte Action ohne Verzögerung. Wer auf dem PC-98 etwas anderes als umfangreiche Rollenspiele und Textadventures sucht, findet hier eines der wenigen Spiele, die sich rein aus dem Reflex heraus spielen lassen. Die Anforderungen an Präzision sind hoch, und ohne mehrere Wiederholungen sind die letzten Levels nicht zu schaffen, doch umso größer ist die Genugtuung, wenn die Route am Ende endlich so gelingt, wie sie soll.
Spiel 22 von 28 für NEC PC-98
Derselbe Titel woanders (1)
Rusty erschien sowohl für den Sharp X68000 als auch für den NEC PC-98, zwei japanische Computer mit damals recht unterschiedlicher Ausrichtung. Der X68000 wurde mit Blick auf Spiele und Arcade-Umsetzungen gebaut und besaß leistungsfähigere Grafikhardware mit einer reichhaltigeren Farbpalette und flüssigerem Scrolling, wodurch die gotische Umgebung und die Animation der Heldin geschmeidiger wirken. Der PC-98 war dagegen in erster Linie ein Bürorechner, der erst nachträglich fürs Spielen angepasst wurde, weshalb seine Fassung meist mit einer eingeschränkteren Palette und einfacherem Sound auskommen musste. Wer Rusty in seiner optisch eindrucksvollsten Form erleben will, greift eher zum X68000.