Missile Command
Missile Command ist eines der beklemmendsten Spiele, die Atari je veröffentlicht hat — und seine Spannung entspringt direkt der Kalten-Kriegs-Paranoia des Jahres 1980. Mit einem Trackball zielt man mit dem Cursor über den Himmel und feuert Abwehrraketen ab, um einen Regen ballistischer Geschosse abzufangen, die auf sechs Städte am unteren Bildschirmrand zurasen. Es ist kein Spiel ums Gewinnen. Es ist ein Spiel darum, wie lange man das unvermeidliche Ende hinauszögern kann.
Das Spieldesign ist meisterhaft in seiner Grausamkeit. Man hat drei Batterien mit begrenztem Raketenvorrat und muss die Flugbahnen feindlicher Raketen, MIRV-Sprengköpfe, Bomber und Satelliten vorhersehen. Jede Abwehrrakete explodiert zu einem Kreis, der möglichst viele auf einmal treffen muss — man spielt also um Timing und Raum. Mit steigender Levelzahl füllt sich der Himmel, und die Entscheidung, welche Stadt man opfert, wird eiskalt persönlich. Der berühmte Abschluss „THE END" statt des üblichen „GAME OVER" lässt den Spielern bis heute einen Schauer über den Rücken laufen.
Die Retro-Gemeinde verehrt Missile Command als seltenen Fall, in dem ein Arcade-Spiel eine echte Botschaft trägt. Autor Dave Theurer soll wegen des Spiels Albträume vom Atomkrieg gehabt haben. Diese Atmosphäre der Ohnmacht, in der man weiß, dass man am Ende immer verliert und es nur darum geht, langsamer zu verlieren, macht es zu einem der eindringlichsten Erlebnisse der goldenen Ära der Automaten.
Spiel 76 von 258 für Arcade
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Das Arcade-Original von 1980 wurde mit einem präzisen Trackball gesteuert, der blitzschnelles, feines Zielen über den ganzen Bildschirm erlaubte – deshalb gilt es bis heute als die flüssigste und schönste Version. Die Atari-2600-Umsetzung musste den Trackball durch einen Joystick ersetzen, wodurch das Zielen spürbar langsamer und ungenauer wurde, zudem verlor die Grafik wegen der schwächeren Hardware an Farben und Details. Das Atari 5200 bot dagegen einen Analog-Controller, dessen Bewegungsspielraum dem Trackball viel näherkam, sodass sich die Steuerung deutlich stärker am Arcade-Original orientierte als beim 2600 — viele Spieler zählen diese Fassung zu den besten Heimumsetzungen überhaupt, auch wenn Farbenpracht und Flüssigkeit das Original nicht ganz erreichen.