Dragon's Lair
Dragon's Lair war 1983 eine Offenbarung, die in den Spielhallen buchstäblich Menschenmengen anhielt. Während die Konkurrenz auf groben Pixeln lief, sah dieses Spiel aus wie ein vollwertiger Zeichentrickfilm — weil es im Grunde einer war. Hinter der Animation stand Don Bluth, ein früherer Disney-Meister, und das Bild wurde von einer Laserdisc in einer Qualität abgespielt, die sich die Spieler jener Zeit nicht einmal vorstellen konnten. Die Schlangen am Automaten drehten sich ebenso ums Zuschauen wie ums Spielen.
Das Gameplay war jedoch völlig anders, als der Look vermuten ließ. Ritter Dirk rettet Prinzessin Daphne aus der Drachenburg, doch man steuert die Bewegung nicht frei — das Spiel ist eine Kette gescripteter Szenen, in denen man im richtigen Sekundenbruchteil eine Richtung oder das Schwert drücken muss. Eine falsche oder verspätete Bewegung bedeutet den sofortigen (und oft komisch brutalen) Tod. Es war im Grunde ein visuelles Auswendiglern-Rätsel, ein Vorläufer dessen, was wir heute Quick-Time-Events nennen.
Retro-Spieler lieben Dragon's Lair eher als Phänomen denn als klassisches Gameplay. Es ist ein Meilenstein, der zeigte, wie weit das Spielmedium nach einem filmischen Erlebnis greifen konnte, und der eine kurze, verrückte Ära der Laserdisc-Spiele einläutete. Bis heute besticht es durch seine Animation — und kann mit seiner Gnadenlosigkeit auch gehörig auf die Palme bringen.
Spiel 78 von 258 für Arcade