The Horde
The Horde ist eine Mischung aus Strategie und Action, in der der Spieler ein Dorf gegen eine Horde gefräßiger Kreaturen verteidigt. Die 3DO-Version von 1994 ist vor allem für ihre Realfilmszenen berühmt, in denen die Hauptfigur Chauncey von Kirk Cameron verkörpert wird — zwischen den Runden spielt sich eine höfische Komödie über Beförderung, Intrigen und einen undankbaren Herrscher ab, mit ernster Miene und B-Film-Budget gedreht. Der erzählerische Rahmen greift dabei ins Gameplay ein: Was in einer Szene passiert, beeinflusst, welches Land und welche Möglichkeiten man bekommt.
Spielerisch wechseln sich zwei Ebenen ab. Zwischen den Angriffswellen wirtschaftet der Spieler: Er kauft Mauern, Gräben, Türme und Fallen und platziert sie auf dem Grundstück so, dass die Kreaturen möglichst lange aufgehalten werden und Dorfbewohner wie Vieh geschützt bleiben. Beginnt ein Angriff, schaltet das Spiel in isometrische Action um, in der Chauncey persönlich mit dem Schwert erledigt, was die Verteidigung nicht aufhalten konnte. Die Spannung entsteht daraus, dass Vorbereitung und Kampf einander bedingen — eine schlecht gebaute Mauer zeigt sich eine Minute später, wenn die Kreaturen genau dort durchbrechen, wo man es nicht wollte. Das Geld für die Verteidigung wiederum stammt davon, wie viel das Dorf in der jeweiligen Saison erwirtschaftet, sodass jedes verlorene Häuschen doppelt zählt. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei stetig, und die Gegner vermehren sich schneller als das Geld.
Technisch verband das Spiel gezeichnete Umgebungen mit digitalisierten Schauspielern und gehörte zu den Titeln, mit denen sich das 3DO als Beispiel für die Verschmelzung von Film und Spiel rühmte. Die laute, übertriebene Komödie wirkt heute kitschig, doch gerade das verleiht ihr ihren zeittypischen Charme. Seinerzeit wurde The Horde wohlwollend aufgenommen und galt als einer der wenigen gelungenen Hybriden aus Basisverteidigung und Action; sein Schema baue eine Falle, dann geh kämpfen nimmt die spätere Welle von Tower-Defense-artigen Spielen vorweg. Heute ist es kurz, leicht verständlich und überraschend suchterzeugend — und der Realfilminhalt funktioniert als Bonus, der schon deshalb sehenswert ist, weil die Macher sich selbst so wenig ernst nahmen — und wie selbstbewusst sie das Ganze trotzdem zusammengenäht haben.
Spiel 24 von 27 für 3DO Interactive Multiplayer