Alone in the Dark
Alone in the Dark brachte 1994 auf das 3DO ein Spiel, das wenige Jahre zuvor auf Computern praktisch den Survival-Horror erfunden hatte. Der Spieler betritt als Privatdetektiv Edward Carnby oder als Emily Hartwood das Anwesen Derceto in Louisiana, um sich eigentlich nur den Nachlass des verstorbenen Besitzers anzusehen — und stellt innerhalb weniger Minuten fest, dass das Haus voller Dinge ist, die sich weder mit Fäusten noch mit Schüssen erledigen lassen. Das Anwesen verwandelt sich binnen kurzem von einem Ort der Besichtigung in eine Falle, aus der nur der Weg nach vorn führt, durch Dachboden, Keller und eine Bibliothek voller unangenehmer Antworten.
Entscheidend ist die technische Lösung: Polygonfiguren bewegen sich vor handgemalten Hintergründen, und die Kamera ist fest eingestellt, wie eine Filmeinstellung. Das verleiht dem Spiel seine Nervosität, denn man sieht oft eher, was sich nähert, als wie man ihm ausweicht — oder man hört umgekehrt nur Schritte außerhalb des Bildes. Das Inventar ist begrenzt, Munition knapp, und die beste Strategie ist oft die Flucht, das Verbarrikadieren einer Tür oder ein völlig anderer Trick als das Schießen. Bücher und Tagebücher, die in den Räumen verstreut liegen, sind keine Dekoration: Sie enthalten Anleitungen, wie ein bestimmtes Monster zu besiegen ist, und verweisen auf die lovecraftsche Mythologie, aus der das Spiel offen schöpft. Lesen ist deshalb keine Verzögerung, sondern eine vollwertige Spielmechanik.
Die 3DO-Version profitierte davon, dass die Konsole flüssigere Wiedergabe und besseren Klang bot als die damals üblichen Computer, sodass die tiefen Töne und die Stille dazwischen voll zur Geltung kamen. Seinerzeit wurde das Spiel als Durchbruch darin gelobt, wie sich Horror in Echtzeit erzählen lässt, und sein Einfluss ist in einer ganzen Reihe späterer Serien spürbar, in denen feste Kamera, Munitionsmangel und feindliche Umgebung zur Grundgrammatik des Genres wurden. Heute ist die steife Steuerung eine harte Nuss, und die Charaktermodelle wirken wie eckige Marionetten, doch das enge Design des Hauses und das Gefühl, vom Anwesen langsam verschluckt zu werden, bleiben bestehen. Wer Geduld mit der zeittypischen Oberfläche mitbringt, bekommt einen der wichtigsten Horrortitel der Spielegeschichte.
Spiel 17 von 27 für 3DO Interactive Multiplayer
Derselbe Titel woanders (1)
Das PC-Original von 1992 lief auf Rechnern vom XT bis zum 486er und verband als erstes polygonale Figuren mit handgezeichneten Hintergründen, wurde per Tastatur gesteuert und bot Grafik in der Auflösung und Farbtiefe, die die Grafikkarten jener Zeit erlaubten. Die 3DO-Fassung von 1994 übertrug denselben visuellen Stil auf eine Konsole mit eigenem CD-Laufwerk, was einen satteren Klang ermöglichte, doch die Steuerung musste von Tastatur auf Gamepad umgestellt werden, und die im Vergleich zu zeitgenössischen PCs schwächere Rechenleistung der Konsole machte sich gelegentlich in der Flüssigkeit bemerkbar. Wer die historisch erste Fassung erleben will, greift zum PC-Original.