The 7th Guest
The 7th Guest ist ein Horror-Adventure, das im Anwesen des Spielzeugmachers Henry Stauf spielt, zu dem sechs Gäste eingeladen wurden, von denen keiner weiß, wer der siebte ist. Die 3DO-Fassung von 1994 gehörte zu den ersten Titeln, die Heimkonsolen ein Spiel vorstellten, das fast vollständig auf CD aufbaute: Das Haus ist in 3D modelliert, die Kamera bewegt sich zwischen den Räumen über vorberechnete Kameraflüge, und vor Blue-Screen gefilmte Schauspieler erscheinen direkt in den Zimmern wie Geister vergangener Ereignisse. Für seine Zeit war das ein Bild, das man im Wohnzimmer nicht übersehen konnte.
Spielerisch handelt es sich um eine Reihe von Logikrätseln in den einzelnen Räumen — Schachaufgaben, das Verschieben von Figuren, ein Mikroskop im Labor oder ein Spiel mit Grabsteinen auf dem Friedhof. Manche gehören zum Besten, was das Genre zu bieten hatte, andere sind berüchtigt für ihren Schwierigkeitsgrad und konnten Spieler tagelang aufhalten. Zwischen den Rätseln öffnet sich das Haus nach und nach, und Fragmente ablaufender Szenen fügen sich zu einer Geschichte über Gier, den Verlust eines Kindes und einen Pakt zusammen, den man besser nicht geschlossen hätte. Zusammengehalten wird die Atmosphäre durch Musik mit jazzig verzerrten Motiven und eine Hinweisstimme, die sich regelmäßig über den Spieler lustig macht. Und die Hinweise sind nicht umsonst — das Spiel merkt sich jede Nutzung und lässt es einen deutlich spüren.
Zu seiner Zeit galt The 7th Guest als Beweis dafür, dass CD-ROM nicht nur eine teurere Diskette war, und wurde zu einem der Titel, wegen derer sich Menschen das Laufwerk überhaupt erst zulegten. Auf der 3DO wirkte es etwas weniger sensationell als auf Computern, da die Konsole mehr derartige CD-Produktionen besaß, dennoch war es ein Aushängeschild ihrer Bibliothek. Heute zeigt das Spiel sein Alter am stärksten bei den schauspielerischen Leistungen — die gefilmten Sequenzen wirken eher amüsant als beängstigend —, während das Rätseldesign und das Gefühl eines leeren, tickenden Hauses überraschend gut bestehen bleiben. Es ist ein Titel, der sich am ehesten wie ein zeitgeschichtliches Dokument spielt, bei dem einem aber immer noch der Schweiß ausbricht und man sich nach ein paar Stunden dabei ertappt, Bleistift und Papier zum Bildschirm mitzubringen.
Spiel 16 von 27 für 3DO Interactive Multiplayer
Derselbe Titel woanders (1)
Beide Konsolenfassungen mussten den anspruchsvollen Mix aus Videosequenzen und vorgerenderter Grafik des PC-CD-ROM-Originals auf Heimhardware übertragen und dabei mit den Einschränkungen der damaligen CD-Laufwerke zurechtkommen. Die 3DO-Fassung von 1994 profitierte davon, dass die Konsole gezielt für Videowiedergabe gebaut war, sodass Rätsel und Clips mit Stauff recht originalgetreu wirken, wenn auch mit Ladepausen. Die Philips-CD-i-Fassung desselben Jahres läuft auf etwas schwächerer Hardware, und ihr komprimiertes Video wirkt tendenziell etwas weicher, was sie zu einer der bescheideneren Umsetzungen des Spiels macht.