Romancing SaGa – boxart
WSBandai WonderSwan

Romancing SaGa

JRPG 2001 Square ⏱ Lang · ~10–30 Std. ⭐ Must-play
Romancing SaGa – Aus dem Spiel
Aus dem Spiel
Romancing SaGa – Titelbildschirm
Titelbildschirm

Ein unglaublich offenes JRPG ohne Gängelung – acht Helden, Aufgaben in beliebiger Reihenfolge.

Romancing SaGa gehört zu dem Offensten, was man auf einer Handheldkonsole spielen kann. Der Spieler wählt einen von acht Helden mit eigenem Ausgangsumfeld und eigenem Grund, sich in die Welt aufzumachen, und von diesem Moment an nimmt ihn niemand mehr an die Hand. Der Kontinent ist offen, Aufgaben lassen sich in beliebiger Reihenfolge erledigen oder ganz auslassen, Mitstreiter werden in Wirtshäusern und Häfen angeworben, und die Haupthandlung um Götter und Schicksal setzt sich erst aus dem zusammen, was der Spieler selbst entdeckt. Dieses sogenannte Free-Scenario-System war zur Entstehungszeit der Serie etwas, das anderswo praktisch nicht existierte.

Ebenso untypisch ist der Fortschritt der Charaktere. Erfahrungsstufen gibt es hier nicht, stattdessen steigen nach Kämpfen einzelne Werte, und neue Techniken tauchen im Kampf plötzlich auf wie ein Geistesblitz, wenn eine Figur mitten im Angriff selbst darauf kommt, wie sie aus einem gewöhnlichen Hieb etwas Stärkeres macht. Dieser Mechanismus macht aus jedem Kampf eine kleine Lotteriespannung und belohnt das Experimentieren mit Waffen. Die Fassung für WonderSwan Color baut auf den Grundlagen der Veröffentlichung aus der Sechzehn-Bit-Ära auf, zeichnet sie neu in Farbe und passt die Benutzeroberfläche an zwei Bildschirmausrichtungen an; die Welt hat einen kühlen, etwas rauen Anstrich, und Kenji Itos Musik verleiht der Reise eine Ernsthaftigkeit, die man einem kleinen Gerät nicht zutrauen würde.

Damals war das einer der Titel, die zeigten, dass Square den WonderSwan nicht als Abstellgleis, sondern als vollwertige Plattform behandelte. Die SaGa-Reihe hat den Ruf, anspruchsvoll und kompromisslos zu sein, und dieser Teil bestätigt das: Der Spieler verheddert sich leicht, trifft auf Gegner, die weit über seinen Kräften stehen, und muss aus Fehlern lernen. Gerade deshalb ist das Spiel aber besser gealtert als viele seiner linearen Zeitgenossen. Freiheit, Nichtlinearität und die Betonung, dass die Welt unabhängig vom Spieler weiterläuft, sind heute übliche Ambitionen großer Rollenspiele, und Romancing SaGa konnte das schon mit wenigen Megabit Speicher. Die einzige wirkliche Hürde bleibt Japanisch, denn ohne das Verständnis der Hinweise der Figuren orientiert sich der Spieler in der Welt nur nach Gefühl und Karte. Wer diese Barriere überwindet, bekommt ein Spiel, das sich achtmal durchspielen lässt und jedes Mal anders aussieht.

Spiel 4 von 27 für Bandai WonderSwan