Mario's Tennis
Mario's Tennis lag in Nordamerika der Konsole direkt bei, sodass es für die überwiegende Mehrheit der Virtual-Boy-Besitzer die allererste Begegnung mit dem roten stereoskopischen Display war. Nintendo wählte klug: Tennis ist eine Sportart, bei der der Spieler ständig die Entfernung eines fliegenden Balls einschätzen muss, und genau darin sollte die neue Hardware einen Vorteil gegenüber einem flachen Bildschirm versprechen. Die Ansicht erfolgt von hinter der Figur, der Platz zieht sich in die Ferne, und der Ball wirkt tatsächlich wie ein durch den Raum fliegendes Objekt, nicht wie ein Sprite, das seine Größe ändert. Schon nach ein paar Ballwechseln hört man auf, den Effekt als Trick wahrzunehmen, und beginnt, ihn zu nutzen, was das beste Zeugnis ist, das ein Vorführspiel bekommen kann.
Spielerisch handelt es sich um geradliniges Arcade-Tennis ohne unnötigen Ballast. Man wählt aus einer Galerie bekannter Gesichter aus Marios Welt, wobei jede Figur unterschiedlich ausbalancierte Bewegungsgeschwindigkeit und Schlagkraft hat, sodass der Unterschied zwischen wendigen und kraftvollen Spielern spürbar ist. Einzel und Doppel stehen zur Verfügung sowie ein Turniermodus, der die künstliche Intelligenz des Gegners schrittweise verschärft. Die Steuerung beruht auf einem einfachen Paar von Schlägen, Timing und vor allem der richtigen Positionierung, denn die Gegner bestrafen kurze Bälle fehlerfrei. Die Klangkulisse ist konsequent karg, wodurch die Ausrufe der Figuren und der Schlagsound umso mehr hervortreten und den Rhythmus des gesamten Ballwechsels tragen.
Zeitgenössische Rezensionen lobten das Spiel als reinste Demonstration dessen, was der Virtual Boy kann, wiesen aber zugleich darauf hin, dass es sich um einen Titel für einen einzigen Nachmittag handle, der allein niemanden zum Kauf der Konsole überreden werde. Das erwies sich als treffende Prognose. Heute ist Mario's Tennis vor allem als historisches Dokument interessant: Es ist das erste Tennisspiel mit der Marke Mario, also ein ferner Vorläufer der späteren Reihe Mario Tennis, und zugleich ein Beleg dafür, dass das stereoskopische Bild wirklich funktioniert. Ein paar Sätze zu spielen ist noch immer angenehm, man kann nur nicht mehr als etwa eine Viertelstunde am Stück damit verbringen, was übrigens Nintendo selbst im Handbuch empfahl.
Spiel 2 von 13 für Nintendo Virtual Boy
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