Ground Control
Ground Control beendete die Neunziger mit einer regelrechten technischen Demonstration dessen, wohin sich Echtzeitstrategie entwickeln kann, wenn man sie vom Rohstoffabbau befreit. In einer fernen Zukunft prallen auf Kolonien die Crayven Corporation und der religiöse Order of the New Dawn aufeinander, und der Spieler befehligt keine Wirtschaft, sondern eine Landungstruppe. Vor jeder Mission stellt man aus den verfügbaren Einheitentypen mehrere Trupps zusammen, wählt ihre Ausrüstung und Spezialisierung, und was auf der Oberfläche landet, ist alles, womit die Mission gewonnen werden muss. Verstärkung kommt nur, wenn das Szenario es zulässt, sodass Verluste echte Verluste sind.
Spielerisch ist das reine Taktik. Einheiten verfügen über Verhaltensmodi, Formationen und Fähigkeiten, Geländehöhen beeinflussen sowohl Reichweite als auch Sichtweite, Wälder und Felsen bieten Deckung, und Artillerie ohne aufklärende Augen schießt blind. Gefechte zwischen Infanterietrupps, gepanzerten Fahrzeugen und Flugzeugen bilden ein übersichtliches System aus Gegenmitteln, in dem der richtige Einsatz eines Trupps gegen eine offengelegte Schwäche ein Gefecht schneller entscheidet als jede Reserve. Die Kampagne wird durch eine Erzählung mit vertonten Figuren ergänzt, und das Spiel bot auch Mehrspielermodus, in dem sich dasselbe System zur Truppzusammenstellung als überraschend ausgewogen erwies.
Am meisten Aufsehen erregte damals jedoch die Präsentation. Eine vollständig dreidimensionale Engine erlaubte es, die Kamera frei zu drehen und bis zu einzelnen Soldaten heranzuzoomen, Karten wirkten weitläufig und kinoreif, und Lichteffekte wie Explosionen gehörten im Jahr 2000 zum Besten, was auf Grafikbeschleunigern zu sehen war. Rezensenten lobten das Spiel sowohl für die Optik als auch für den Mut, auf Basenbau zu verzichten, wenngleich einem Teil der Spieler die gewohnte Aufbau-Ebene spürbar fehlte. Später entstand eine Fortsetzung, und das Spiel wurde auch kostenlos verbreitet, wodurch es eine leicht zugängliche Vorzeigeversion des taktischen Genrezweigs bleibt. Heute ist es vor allem eine angenehm kurze, straffe Kampagne ohne unnötiges Menü-Geklicke, an der sich zeigt, dass eine Strategie von ihrer Wirtschaft zu befreien sie nicht ärmer macht, sondern die Aufmerksamkeit auf die Entscheidungen auf dem Schlachtfeld verlagert.
Spiel 35 von 229 für PC / Pentium a Windows 9x