Ecco the Dolphin
Ecco the Dolphin ist eines der ungewöhnlichsten Spiele seiner Zeit und erhielt auf dem Mega-CD seine schönste Form. Man steuert einen Delfin, dem ein rätselhafter Sturm sein ganzes Rudel entreißt, und macht sich auf, ihm über den Ozean zu folgen, durch eisige Meere, versunkene Städte und noch fremdere Orte, als man es gewohnt ist. Das ganze Spiel findet unter Wasser statt, und die Steuerung ist entsprechend gestaltet: Ecco schwimmt in alle Richtungen, beschleunigt mit kurzen Stößen, springt über die Wasseroberfläche und muss ständig zwei Dinge zugleich im Auge behalten, nämlich schwindende Gesundheit und vor allem schwindenden Atem.
Das Gameplay beruht auf Erkundung und dem Lösen von Situationen, nicht auf Kampf. Das entscheidende Werkzeug ist das Sonar, mit dem der Delfin die Umgebung kartiert, mit anderen Kreaturen spricht und uralte Kristalle aktiviert; Fische dienen als Energiequelle, enge Tunnel als Labyrinthe, in denen ein einziger Fehler den Ertrinkungstod bedeutet. Weiterzukommen bedeutet oft, herauszufinden, wo man eine Eisscholle durchbrechen kann oder wie man eine Strömung nutzt. Das Spiel ist berüchtigt für seinen Schwierigkeitsgrad und seine Kompromisslosigkeit, gerade deshalb aber belohnt es geduldige Spieler mit dem Gefühl, tatsächlich eine fremde Welt kennenzulernen. Zudem ändert das Spiel regelmäßig seine eigenen Regeln, sei es, indem es den Delfin in gefrorene Höhlen führt oder ihn weit außerhalb des bekannten Ozeans schickt.
Auf dem Mega-CD profitiert die Version vor allem von überarbeiteter Grafik und vor allem von der Musik von der Disc, die im Vergleich zum Chip-basierten Original deutlich weiträumiger, traumhafter und stellenweise geradezu beunruhigend ist. Die Unterwasserkulissen schichten sich übereinander, durchscheinende Sonnenstrahlen und wogende Algen erzeugen eine Atmosphäre, wie sie auf modulbasierten Konsolen schlicht nicht üblich war. Damals wurde das Spiel als Beweis dafür gesehen, dass Sega zu mehr als nur schnellen Maskottchen fähig ist, und erwarb sich einen Kultstatus, den es bis heute hält. Ein heutiger Spieler muss sich erst an das langsamere Tempo und die harte Bestrafung für Fehler gewöhnen, die Belohnung ist jedoch eines der stärksten atmosphärischen Erlebnisse der gesamten Sechzehn-Bit-Ära. Nur wenige Spiele jener Zeit vermochten so überzeugend das Gefühl zu erzeugen, sich in einer Umgebung zu bewegen, in der man nicht zu Hause ist.
Spiel 3 von 29 für SEGA Mega-CD
Derselbe Titel woanders (2)
Das Original von 1992 für den SEGA Mega Drive lief auf einem Modul mit Musik aus dem FM-Chip und vermittelte ein eigenständiges, meditatives Gefühl beim Schwimmen durch den Ozean. Die Fassung für das SEGA Mega-CD von 1993 nutzte das CD-Format, um einen überarbeiteten Soundtrack mit reicherem, atmosphärischerem Klang und verbesserter Hintergrundgrafik zu liefern. Die Mega-CD-Fassung enthält zudem zusätzlichen Inhalt, der wegen der begrenzten Kapazität nicht auf das ursprüngliche Modul passte. Deshalb gilt gerade die CD-Version als die visuell und klanglich reichere, während das Mega-Drive-Original die schnellere, direktere Wahl ohne zusätzliches CD-Laufwerk bleibt.