Myst
Myst ist ein Adventure auf einer einsamen Insel, an die der Spieler ohne Erklärung, ohne ein mit Gegenständen gefülltes Inventar und praktisch ohne jede Anweisung angespült wird. Die 3DO-Fassung erschien 1994 und gehörte zu den Titeln, mit denen die Konsole gerne prahlte: Sie war ein Beweis dafür, was eine CD-ROM leisten konnte, wenn statt Pixelgrafik vorberechnete Bilder von ungewöhnlicher Schärfe geboten wurden. Gesteuert wird das Spiel als eine Abfolge statischer Ansichten, zwischen denen per Klick gewechselt wird; der Fortschritt bestimmt sich nicht durch Kampf oder Geschicklichkeit, sondern durch die Fähigkeit, Details wahrzunehmen, Zahlen, Töne und Symbole zu notieren und sie zu funktionierenden Ganzen zu verbinden. Die Insel ist eine große Maschine, und die einzelnen Rätsel sind ihre Zahnräder — Rohrleitungen, Generatoren, ein Uhrturm oder ein Raketenmodell.
Die Erzählung bleibt am Rand der Aufmerksamkeit. Auf der Insel verstreute Bücher führen in weitere Welten, und zwei in ihren Seiten gefangene Brüder versuchen abwechselnd, den Spieler von ihrer Unschuld zu überzeugen. Wer von beiden lügt, erfährt man nicht aus dem Dialog, sondern aus dem, was man in ihren Zimmern und Notizen findet. Auf der 3DO spielt der Klang eine wichtige Rolle: Die Umgebung besteht die meiste Zeit aus Stille, durchzogen von knarrendem Holz, Wind und Wasser, sodass jedes musikalische Motiv wie ein Ereignis wirkt. Die Ladezeiten zwischen den Bildschirmen sind spürbar, und Puristen bemängelten, dass die Übergänge nicht so flüssig waren wie auf leistungsstarken Computern, doch die Atmosphäre eines verlassenen Ortes kam vollständig zur Geltung.
Zu seiner Zeit war es ein gewaltiges Phänomen, das Adventures für einen Moment aus der Nischenkultur der Spieler in gewöhnliche Haushalte trug und eine ganze Welle ähnlich gestalteter CD-Titel mit vorberechneter Grafik auslöste. Heute wirkt Myst langsamer, als man es gewohnt ist, und manche Rätsel erfordern Geduld und einen Notizblock. Genau darin liegt aber seine Stärke: Es ist ein Spiel, das sich nicht beeilt, niemanden an die Hand nimmt und Aufmerksamkeit belohnt. Auf der 3DO bleibt es zudem ein wichtiger Beleg dafür, wohin die Konsole ursprünglich zielen sollte — hin zu einem multimedialen Heimplayer für Erlebnisse, nicht nur zu einer weiteren Box für Actionspiele.
Spiel 15 von 27 für 3DO Interactive Multiplayer
Derselbe Titel woanders (1)
Die 3DO-Fassung von 1994 gehörte zu den Titeln, mit denen die Konsole gern glänzte — sie übertrug die vorgerenderten Hintergründe und Videosequenzen in einer Qualität nahe am Computer-Original, auch wenn man sich an längere Ladepausen zwischen den Bildschirmen gewöhnen musste, bedingt durch die Geschwindigkeit des CD-Laufwerks. Die Philips-CD-i-Fassung erschien erst 1996, auf bereits alternder und leistungsschwächerer Hardware, und die Ladezeiten zwischen den Orten sind hier noch spürbar länger, das Bild etwas weniger scharf. Für ein flüssigeres und visuell treueres Erlebnis wird heute meist die 3DO-Version empfohlen.